LANDKREIS (mh). Es sind alarmierende Zahlen und besorgniserregende Fakten, die das Bundesfamilienministerium im Zusammenhang mit dem Thema "Demenz" veröffentlicht hat: Von Alzheimer oder einer anderen Form der Demenz sind in Deutschland derzeit rund 1,4 Millionen Menschen betroffen. Weil die Gesellschaft immer älter wird, werden es voraussichtlich bis zum Jahr 2050 sogar drei Millionen Menschen sein. Rechnet man die Zahl der Angehörigen mit ein, ist die Zahl derer, die sich mit Demenz auseinandersetzen müssen, entsprechend weitaus höher. Insgesamt herrscht viel Unwissen über die Krankheit, die überwiegend Menschen über 65 Jahre und einige wenige jüngere trifft. Das Mehrgenerationenhaus Schaumburg widmet der Lebenssituation von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen besondere Aufmerksamkeit.
"Wir müssen das Thema öffentlich machen", sagt Klaus Strempel, vom Mehrgenerationenhaus. "Es geht insbesondere darum, das Umfeld zu sensibilisieren, damit die Betroffenen nicht aufgegeben, sondern motiviert werden." Ein Ziel der Angebote zu diesem Thema ist es, die Rahmenbedingungen für das Leben mit Demenz in der Kommune zu verbessern. Mit einer neuen "Initiative Demenz und Kultur" hat das Zentrum jetzt bundesländerübergreifend ein Kulturprojekt gestartet. Beteiligt sind der Generationen-Treff in Enger (Nordrhein-Westfalen), der Verein "Leben mit Demenz" aus Minden und das Mehrgenerationenhaus. Das neue Netzwerk will mit modernem Medieneinsatz, mit der Fortbildung von "Multiplikatoren" sowie kulturellen Veranstaltungen Aufmerksamkeit schaffen. Dabei liegt ein besonderer Akzent darauf, Kooperationen zu stiften und kulturelle Angebote für die Demenzbetroffenen und ihre Angehörigen erlebbar zu machen. Zwei Bausteine sollen dieses in der Praxis ermöglichen: Auf der einen Seite soll ein Internetportal vielfältig über den Themenbereich "Demenz und Kultur" informieren: Von der Information über Künstler, die vielleicht selber betroffen sind, bis hin zu kulturellen Angeboten für Demenzbetroffene werden alle Informationen gesammelt und zur Verfügung gestellt. "Beispielsweise hat das Herforder Museum ‚Marta‘ in diesem Bereich spezielle Angebote. Das Internetportal soll solche Angebote zusammenfassen und überschaubar machen", verdeutlicht Klaus Strempel. Als zweiter Baustein steht der Bereich "Demenz und Musik" im Fokus. Musik bietet viele Begegnungsmöglichkeiten und Lebensfreude für Menschen mit und ohne Demenz, weiß Klaus Strempel. "In einem Chor können beispielsweise auch Menschen trotz ihrer Krankheit weiterhin mitmachen. Voraussetzung ist, dass die anderen Mitglieder informiert sind und sie unterstützen. So verhindert man, dass sie in die Isolation getrieben werden." Die neue "Initiative Demenz und Kultur" lädt alle Interessierten zur Mitwirkung ein. Alle drei Projektpartner bieten bereits Angebote im Bereich Musik. Durch Chöre, Musik-Vorstellungen und Workshops gibt es schon Kontakt zu Musikern – dieses Angebot soll weiter ausgebaut werden.
Das Mehrgenerationenhaus Schaumburg bietet darüber hinaus immer mittwochs ein offenes Treffen für Angehörige und Menschen mit Demenz sowie Filmvorführungen an. Außerdem ist unter 05721/893773 ein Info-Telefon eingerichtet, das Auskunft und Rat gibt. Nicht nur von der Krankheit Betroffene und deren Angehörige können auf die Angebote des Mehrgenerationenhauses zurückgreifen, denn das Leben mit Demenz stellt auch Freunde, Kollegen sowie die ganze Gesellschaft vor erhebliche Herausforderungen.