1. Hunde sind keine "Versandhaus-Ware"

    Verein hat vermehrt mit Tieren aus dem Ausland zu kämpfen / In Tierheimen warten mehr als 20 000 Hunde

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    Eine Geschichte zu diesem neuen Phänomen: Per Großlieferung wurden 25 bis 30 Hunde von einer dafür engagierten Transportfirma, tatsächlich mit EU-Zulassung für diesen Dienst, nach Deutschland geliefert. Auftraggeber war in diesem Fall eine Tierschutzorganisation, die gegen eine "Schutzgebühr" die Hunde im Internet angeboten hat. Immer mit einer passenden Legende dazu. Die gerne dazu gelieferte traurige Geschichte zu jedem Tier könne man auf ihren Wahrheitsgehalt nicht prüfen, so Kreisveterinär Dr. Ulf Güber. Die Transporteure agieren nach Gesetzeslage legal. Dennoch seien Zweifel über die Vorgehensweise und die Auswirkungen angebracht, so Güber.

    "Man weiß doch gar nicht, wie ein solcher Hund tickt", unterstreicht Jutta Schneider. Die Vorsitzende vom heimischen Tierschutzverein kann nur abraten, sich über das Internet ein Hund aus dem Ausland zu besorgen. Zumal die Anbieter, die mit solchen Hunden verstärkt Handel betreiben, dies in der Regel nicht aus Tierliebe, sondern vielmehr aus Profitgier machen würden.

    Sie berichtet von einer Familie aus Schaumburg, die einen Hund von einer spanischen Tierschutzorganisation bekommen hat. Die "Adoption" hatte kein Happy End. Gegen die Zahlung von 300 Euro bekamen die neuen Besitzer den Hund "Angel" in Düsseldorf übergeben. Weil sich schon nach kurzer Zeit herausstellte, dass sich das neue Familienmitglied überhaupt nicht mit einer schon länger in der Familie lebenden Hündin vertrug und ein sehr auffälliges Verhalten an den Tag legte, wollten die Käufer das Tier wieder zurückgeben. Die "Vermittler" wollten den Hund nicht wieder zurücknehmen. Am Ende landete "Angel" im Tierheim. "Viele Menschen sind da einfach zu blauäugig", ärgert sich Schneider. Der Veterinär ergänzend dazu: "Nicht überall wo Tierschutz draufsteht, ist auch Tierschutz drin". Er erzählt von einem Fall, in dem ein Lieferwagen aus Litauen auf der Autobahn angehalten wurde. Die darin befindlichen Hunde verschiedener Rassen standen auf Gittern aus Kühlschränken. "Das habe ich untersagt. Ansonsten gab es keine Handhabe für die Behörden, diesen Massentransport zu unterbinden. Problematisch sei der Hundehandel auch, weil dabei vielfach ganz spezielle Rassen in diese Region kommen, die einfach hier nicht hingehören. Güber berichtet von spanischen Windhunden, die in ihrer Heimat reine Sicht-Hetz-Jagdhunde sind. "Denen fehlt hier die ihrer Rasse spezifische Beschäftigung, die sind nicht sozialisiert".

    Auch der Deutsche Tierschutzbund beklagt die Häufung solcher Fälle. Zumal in deutschen Tierheimen mehr als 20 000 Hunde geben würde, die auf neue Besitzer warten. "Bei unserer verantwortungsbewussten Vergabepraxis haben wir eine Rückgabequote gegen Null", weiß Schneider zu berichten. Sie rät denjenigen, die ernsthaft erwägen, sich einen Hund anzuschaffen, doch lieber in einem Tierheim nach dem neuen Gefährten zu suchen als im Internet bei dubiosen Händlern zu bestellen. Foto:privat

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