1. Ministerpräsident will neue Diskussion bei der Lagerung von hochradioaktiven Abfällen

    Stephan Weil ist zu Gast beim Niedersachsentag des Heimatbundes / Rote und Weiße Mappen ausgetauscht

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    Heimatbund-Präsident Hansjörg Küster wies beim Festakt aber ausdrücklich darauf hin, dass die Rote Mappe durchaus nicht nur Kritik enthalte. Gelobt wurde unter anderem eine Förder-Aktion für kleinere Museen im vergangenen Jahr - deren Fortsetzung sich Küster wünschen würde. Besonders energisch fiel die Kritik des Heimatbundes gegen das so genannte "Fracking" zur Erschließung von Erdgasquellen aus. Stephan Weil wies darauf hin, dass "Fracking" auf keinen Fall in Wassergewinnungs-Gebieten in Frage komme. Zudem werde daran gearbeitet, den giftigen Anteil der Chemikalie eines Tages auf Null zu reduzieren. Allgemein sieht die Landesregierung die Abwägung der Risiken und Chancen der Fracking-Technologie als unzureichend geklärt an. Solange die Auswirkungen auf Grundwasser, Böden und Umwelt und Natur nicht abschätzbar seien, sei ein Einstieg in die Förderung von "unkonventionellem" Erdgas nicht akzeptabel.

    Ein weiterer exponierter Kritikpunkt des Heimatbundes befasste sich mit der Nutzung unterirdischer Lagerstätten und der damit verbundenen Risiken für zukünftige Generationen. "Die Umweltskandale um das so genannte Forschungsbergwerk Asse," heißt es in der Roten Mappe, "sollten uns lehren, mit Eingriffen unter der Erde sehr behutsam zu sein." Gutachterliche Unbedenkliehkeits-Bescheinigungen sowie die bisherige Genehmigungspraxis seien kritisch zu hinterfragen. Die niedersächsische Landesregierung spricht sich in Sachen "Standortsuche für die dauerhafte sichere Lagerung von hoch radioaktiven Abfällen in Deutschland" für einen Neubeginn der Diskussionen aus. Dabei müssten während einer substanziellen Prüfung alle juristischen, gesellschaftspolitischen, geologischen, wasserrechtlichen, bergrechtlichen und atomrechtlichen Aspekte berücksichtigt werden. Für den "neuen gesellschaftspolitischen Prozess" soll ein Gremium berufen werden, das den Neubeginn bei der Endlagersuche und vorliegende Gesetzesentwürfe mit eigenen gutachterlichen Expertisen und Stellungnahmen vorbereite und begleite.

    Einig waren sich der "gelernte Bürgermeister" Stephan Weil und Professor Hansjörg Küster darüber, dass man, so Weil, "nicht alle Niedersachsen über einen Kamm scheren kann" - weil es in dem Flächenland einfach zu vielen unterschiedliche Bräuche und Traditionen gebe. Um sich einen dezidierten Überblick über die kulturelle Infrastruktur zu verschaffen, möchte sich der Ministerpräsident im ganze Lande "zuverlässige Gesprächspartner" suchen. Ein Stück heimischer Kultur konnten die Gäste gleich vor Ort genießen: Für die musikalische Unterhaltung sorgten der Schaumburger Jugendchor und das Jugendblasorchester der Stadt Rinteln.

    Thema beim Niedersachsentag war auch der "demographische Wandel", der sich längst schon in den Statistiken verdeutlicht. In Rinteln etwa, verdeutlichte Bürgermeister Karl-Heinz Buchholz beim Festakt, habe sich die Einwohnerzahl in den letzten Jahren von rund 29.000 auf 27.000 reduziert - ein Minus, das der Ministerpräsident für das Land Niedersachsen auf sechs Prozent bezifferte. Buchholz kündigt auch erste Konsequenzen an: Die Stadt wolle demnächst zwei Demographie-Beauftragte engagieren.

    Der Heimatbund will sich künftig aber auch den ganz jungen Mitbürgern stärker annähern: "Heimat" soll in den Schulen wieder mehr thematisiert werden. Und ein ganz besondere Anliegen von Julia Schulte to Bühne, der Geschäftsführerin des Landesverbandes, ist es, "Heimat für die neuen Medien fit zu machen". Zu den Rednern im Brückentor zählte auch Landrat Jörg Farr, der die Gäste unter anderem darüber aufklärte, dass der Landkreis Schaumburg zu den am dichtesten besiedelten in Niedersachsen zähle.

    Nach 22 Jahren fand der Niedersachsentag zum zweiten Mal in Rinteln statt. Der Niedersächsische Heimatbund war einer gemeinsamen Einladung von Stadt, Landkreis und "Schaumburger Landschaft" nachgekommen. Das Programm war am Freitagmorgen mit einer Präsidiumssitzung des NHB im Rathaus eröffnet worden. Am Nachmittag folgte ein Symposium im Ratskeller, wo gleichzeitig auch das "Café Heimat" seinen Betrieb aufnahm, in dem aktuelle und zukünftigen Fragen des NHB diskutiert wurden. Um was es dabei genau ging, brachte Professor Hansjörg Küster auf den Punkt: "Wir möchten das Wissen und die Ideen möglichst vieler interessierter Bürger kennenlernen und bündeln, um in Zukunft eine aktive und von vielen getragene Heimatpflege zu initiieren."

    Foto: km

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