RINTELN (ste). Als weiterer Baustein der Aktion "Rinteln - eine tolerante Stadt!?" wurde jetzt im Brückentorsaal das Theaterstück "Braune Engel" zum Thema Rechtsextremismus und Gewalt aufgeführt.
Das Stück wurde von der Stadtjugendpflege Rinteln in Zusammenarbeit mit dem Präventionsrat, der Polizei und dem Familienzentrum der Stadt Rinteln in die Stadt geholt und galt insbesondere für Jugendliche der neunten Klassen der Rintelner Schulen als Angebot, sich mit dem Thema zu beschäftigen.
Das positive Fazit vorweg: Es gab niemanden, der sich auch nur in irgendeiner Weise radikal zu diesem Stück äußerte, es veralberte oder durch rechtes Gedankengut auffiel. Und das, obwohl das Theater "Traumbaum/Freier Vogel" mit Birgit Iserloh als die Türkin "Ayse" und Ralf Lambrecht als dumpfbackiger Neonazi "Kalle" mit "88-Jacke" provozierten. Denn "...einfach mal durch die Wand gehen" konnte der laute Verfechter der Auschwitzlüge und stumpfsinnige Glatzenideologe "Kalle" nach einem Angriff auf "Ayse" nicht mehr. Er wollte "...einfach mal über sie drüber gehen; hatte halt Druck!" und war als "Kalle" gefangen in seinen rechten Ansichten, eindimensional denkend, abhängig vom großen Oberführer und eingezwängt in fäkalsprachlichen Entgleisungen wie "Kanakenzecke", "Ungeziefer" und "Türkenblagen". Immer wieder zuckte der rechte Arm hoch in die Luft, immer wieder zählte Ayse den Hohlkopf nach Strich und Faden argumentativ aus. So, dass am Ende durch die beiden Schauspieler deutlich gemacht werden musste, wie weit politische Aufklärung bei einem Theater gehen darf und wo strafbare Volksverhetzung anfängt.
Eine authentische Sprache der rechten Jugend, menschenverachtende Einstellungen in ungeschminkter Art und Weise und am Ende die Erkenntnis der "Glatze": "Ich steck in mir selbst fest, hör mir zu und denke: Es kommt nur Scheiße raus!"
Selbsterkennend muss Kalle am Ende auch feststellen, dass er als Individuum ohne seine Kameradschaft eine Null ist. Ein Stück, das deutlich unter die Haut ging. Festzustellen war das auch in der Tatsache, dass die Schülerinnen und Schüler im rappelvollen Brückentorsaal offenbar konzentriert bei der Sache waren, fasziniert von der Klarheit und für sie erkennbaren Sprache der Dialoge und ebenso fasziniert von der deutlichen geistigen Überlegenheit Ayses, die von Kalle doch als Gebärmaschine von Untermenschen klassifiziert wurde.
Sie stellte fest: "Man kann nicht auf einen Stempel im Pass stolz sein, nur auf das was man selbst leistet!"
Am Ende konnte dann noch diskutiert werden; mit den Schauspielern, mit Wilfried Korte als Polizeichef von Rinteln, der Stadtjugendpflege und dem Familienzentrum. Foto: ste
