RINTELN (km). Am vergangenen Donnerstag wurde in der Eulenburg eine neue Sonderausstellung eröffnet. Bis zum 14. April lautet das Thema: "Ordnung und Vernichtung. Die Polizei im NS-Staat". Museumsleiter Dr. Stefan Meyer konnte dabei neben zahlreichen Besuchern auch den Leiter des Polizeimuseums Nienburg, Dr. Dirk Götting, begrüßen.
Die vom Deutschen Historischen Museum in Berlin konzipierte Ausstellung befasst sich mit den Aufgaben und dem Missbrauch der Polizei im Nationalsozialismus. Sie wurde vom Niedersächsischen Polizeimuseum Nienburg durch Exponate ergänzt und vom Rintelner Museum um Beispiele aus dem Schaumburger Land erweitert. Rinteln ist nach dem Niedersächsischen Landtag in Hannover und dem Polizeimuseum in Nienburg der erste Ausstellungsort der aktuellen Wanderausstellung.
Die Dokumentationg geht aber über die Zeit von 1933 bis 1945 hinaus und zeigt auch personelle und inhaltliche Folgen, die bis in die 60er Jahre hinein reichen. So habe es zwar immer wieder Versuche einer gerichtlichen Aufarbeitung von Straftaten gegeben die während der NS-Zeit von Polizisten begangen worden waren, so Dr. Dirk Götting, im großen und ganzen aber müsse festgestellt werden, dass eine Vielzahl "belasteter" Beamter nicht belangt und stattdessen wieder den Weg in den Polizeidienst gefunden habe. Ein Teil von ihnen habe sogar Karriere machen und bis in die höchsten Etagen der Landespolizei aufsteigen können. -
Die neuere historische Forschung habe zudem bewiesen, so Götting, dass die Polizei, ähnlich wie die Wehrmacht, auch 1933 und 1945 keineswegs zwischen "sauber" geblieben sei und nur ihre Pflicht erfüllt habe: Die Polizei sei ein zentrales Herrschaftsinstrument des NS-Regimes gewesen. Von seinen Anfängen bis zu seinem Untergang habe das Regime sich auf die Polizei stützen können. Nicht nur die Gestapo, sondern alle Sparten der deutschen Polizei seien am Terror gegen die politischen und weltanschaulichen Gegner des NS-Staates beteiligt gewesen, zunächst im Innern des Deutschen Reiches und seit Kriegsbeginn schließlich in allen von der Wehrmacht eroberten Gebieten. -
Biografien von Tätern aus dem Bereich des heutigen Niedersachsen belegen grausame und menschenverachtende Verhaltensweisen. Als Beispiel benannte Dr. Dirk Götting den ehemaligen Polizeichef von Braunschweig, Friedrich Jeckeln, der für Massenmorde in der Sowjetunion verantwortlich gewesen sei oder Friedrich Pradel, der "mobile Vergasungswagen" konstruiert habe, in denen, wie er in einem Bericht schrieb, "97.000 verarbeitet wurden, ohne dass Mängel an den Fahrzeugen aufgetreten seien". Foto: km
