BAD NENNDORF (jl). Das erste in Betrieb genommene Kraftwerk konnte 30 Glühbirnen versorgen – Das war 1882. Heute stammt unser Strom zu rund einem Viertel aus erneuerbaren Energiequellen. Das Ziel der Bundesregierung im Jahre 2050: ein regenerativer Energieanteil von 80 Prozent bezogen auf den Brutto-Inlandsstromverbrauch Deutschlands.
"In Schaumburg können wir die Energiewende locker schaffen und zwar zu Einhundert Prozent mit erneuerbaren Energien", so das Fazit der Veranstaltung "Dorf der Zukunft" in der Wandelhalle Bad Nenndorf. In der Vortragsreihe informiert die Innung für Elektrotechnik in der Kreishandwerkerschaft Schaumburg gemeinsam mit der Sparkasse Schaumburg über Möglichkeiten, wie jeder Hauseigentümer zur Bewältigung der Energiewende beitragen kann.
Denn: "Um in der Energiewende voranzukommen, ist das eigene Haus die Basis", sagte Volker Fischer, Obermeister der Elektro-Innung. Das Zauberwort heiße Energieeffizienz: wenig Energie investieren, viel Nutzen herausholen. Wie? Etwa mit LED-Lampen die "helle Sparfreude" entdecken, die Temperatur in den einzelnen Räumen regeln, Hausgeräte fernsteuern, Bewegungs- und Präsenzmelder einsetzen und den Verbrauch mit einem "intelligenten" Zähler, dem sogenannten Smart Meter, stets im Blick haben – ähnlich wie bei dem Bordcomputer im Auto. Denn der herkömmliche Zähler zeigt an, dass etwas verbraucht wurde. "Aber nicht wann und wo. Das ist ein dummes Prinzip", tadelte der Obermeister.
Wichtige Schritte im Dorf der Zukunft markieren die eigene Stromerzeugung und -speicherung. So sind Photovoltaikanlagen (PVA) nicht mehr aus der Zukunft wegzudenken. Ihr großer Vorteil: Ob Aufdach, Fassade oder Flachdach – "Fast überall können Erträge erwirtschaftet werden, die auch sinnvoll sind", erklärte Dieter Ahrens, Mitglied der Elektro-Innung und PVA-Sachverständiger. Eine konkrete Auskunft könne aber nur das individuelle Angebot geben. Denn aufgrund der zahlreichen Komponenten wie Dachneigung, Ausrichtung, Module oder Wechselrichter sei die Wirtschaftlichkeit von PV-Anlagen nicht pauschalisierbar. Wer neben einer Solaranlage auch auf eine Speicherlösung setzt, könne seine Stromunabhängigkeit sogar auf bis zu 80 Prozent steigern, betonte Ahrens. Intelligente Stromspeicher stellen fest, wie viel Energie der Haushalt benötigt und wie viel gespeichert werden kann. So wird das Haus auch mit Strom versorgt, wenn keine Sonne scheint.
Die perfekte Ergänzung im Haus der Zukunft ist die Wärmepumpe, die nach dem Kühlschrank-Prinzip unter anderem das Heizungswasser erwärmt. Betrieben wird sie zu einem Viertel mit Antriebsenergie (z.B. aus der Solaranlage auf dem Dach) und zu drei Viertel mit Umweltwärme (Grundwasser, Außenluft oder Erdreich). Das große Plus, so Udo Steinberg, Vertriebsbeauftragter des Wärmepumpen-Herstellers Stiebel Eltron: "Mit nur 25 Prozent Stromeinsatz erzeuge ich 100 Prozent Wärme." Aber kann ein Bestandsgebäude überhaupt zum Haus der Zukunft werden? "Ja. Denn ohne die Einbindung von Bestandsgebäuden ist die Energiewende überhaupt nicht zu schaffen", betonte Steinberg.
Der Weg zum Dorf der Zukunft: Den Strom der Sonne selbst sofort nutzen, um damit etwa das Elektroauto aufzuladen und eine Wärmepumpe zu betreiben. Den Überschuss speichern und verkaufen – denn auch diejenigen, die kein Dach besitzen, müssen ihren Strom von irgendwoher beziehen. Denn, wie es die Redner mit einem Zitat von Franz Alt sagten: "Die Sonne schickt uns keine Rechnung." Foto: jl
