Wie gesagt: 48 Szenen, Schlag auf Schlag. Da rappelt es schon im Karton. Kann man da mitkommen? Schwerlich. Dies auch deshalb, weil die Texte primitiv bis banal sind, hingefetzt werden, egal, ob man sie versteht oder nicht. Dank manierierter Gestik weiß der Zuschauer ohnehin genau, was gemeint ist. Nur: Wo bleibt die Empathie, geschweige denn die Sympathie? Soll man lachen oder weinen, wenn in völliger Überdrehtheit ein Zahn mit einer gewaltigen Rohrzange entfernt, Tomatenketchup das Gesicht zur elenden Visage entstellt und Bier in Strömen über die Kleidung gekippt wird? Offensichtlich muss das so: Ist es doch zeitgenössisches Theater. Daran habe sich auch gefälligst die ältere Generation zu gewöhnen. Konnten ihre Vertreter doch durchaus zur Kenntnis nehmen, dass die einmal Jüngeren keineswegs mit Beifall für diese Präsentation sparten. Ihnen gefiel die Show.
"Was lernt mich das?" So mag ein Sturkopf dann doch wohl fragen. Dies sei das Mindeste: Nicht die Flinte ins Korn werfen, weitermachen, am Ball bleiben, hinter durchaus gekonnt gebrachten sogenannten surrealistischen Sequenzen versuchen zu erkennen, dass hier grundlegende, menschliche Verhaltensmuster entfaltet werden, die es weltweit nun einmal gibt: Wer macht hat, hat das Sagen, wer nichts hat, muss leiden, wer das Nötigste hat, zieht sich selbst Leid zu, wer in der Fremde ist, hat Heimweh. Aufkommende Fragen werden grundsätzlich nicht beantwortet. Dazu darf das Theater nicht da sein.
Was sagt die Dramaturgin Annelie Mattheis in einem Nachgespräch der Schauspieler mit den Besuchern?
" Es ist nicht unbedingt schlecht, wenn man nach dem Theaterbesuch mit einer gewissen Ratlosigkeit nach Hause geht." Das war denn auch für den Schreiber dieser Zeilen am Ende tröstlich.
Oskar Wedel