1. Land und EU fördern Faszination im Zickzack

    Stadt beginnt mit Maßnahmen an der Süntelbuchen-Allee / Zuschuss zu den Gesamtkosten in Höhe von 77 000 Euro

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    BAD NENNDORF (jl). Wenn im Sommer die Sonnenstrahlen durch das Blätterdach und die kreuz und quer wachsenden Äste brechen, erscheint die Allee der Süntelbuchen im Kurpark in einem besonders mystischen Licht. Aber auch bei eisigen zehn Grad minus, gehüllt in einen weißen Mantel, fasziniert der größte Bestand an älteren Exemplaren in Deutschland. Ja, die Bad Nenndorfer Süntelbuchen sind ein einzigartiges Erlebnis zu jeder Jahreszeit.

    Damit dieser natürliche Reichtum lange erhalten bleibt und noch erlebbarer wird, hatte die Stadt Zuschüsse für Maßnahmen zur Renaturierung des Naturdenkmals beantragt – und dieser Tage die "erfreuliche und gute Nachricht erhalten, starten zu dürfen", wie Stadtdirektor und Samtgemeindebürgermeister Bernd Reese am Freitag verkündet hat. Der erste Schritt: Die Baumsachverständige Claudia Amelung aus Hannover kontrollierte noch am selben Tag den Bestand. Gefördert wird das Projekt mit Mitteln aus "Natur erleben", einem Förderprogramm des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung und des Landes Niedersachsen. Nach Angaben von Martina Beier rechnet die Samtgemeinde aktuell mit Gesamtkosten in Höhe von etwas mehr als 77 000 Euro netto – bis zu 80 Prozent werden bezuschusst. Der endgültige Förderbescheid soll im Februar vorliegen. Dank einer Sondergenehmigung dürfen die Maßnahmen aber bereits jetzt beginnen. Der Grund: Von März bis einschließlich September herrschen nach dem Bundesnaturschutzgesetz Fäll- und Schnittverbote. Damit der Alleecharakter deutlicher heraussticht, sollen Bäume wie Lärchen und Kiefern gefällt werden. Totholz und marode Bäume, die die Verkehrssicherheit gefährden, sollen entfernt und dafür neue Süntelbuchen gepflanzt werden. Geplant ist zudem die Rekonstruktion der historischen Endpunkte der Allee. Beschlossen ist zudem, dass die Allee keinen festen Steg bekommen wird – eine Tatsache, in der die Baumsachverständige Amelung einen Zwiespalt sieht. Einerseits sei das Naturbelassene immer besser und schöner, insbesondere um die Einzigartigkeit zu wahren. Andererseits seien Süntelbuchen aber auch sehr trittempfindlich. Wenn sich der Boden über ihren Wurzeln durch Menschenmassen verdichte, könnten diese schnell verenden. Sie rät zu einem sensiblen Umgang und appelliert: "Die Allee ist eine Chance, aber auch eine Gefahr." Reese versprach einen "sanften" Tourismus und Verhaltensmaßnahmen, die für die Begehung des Naturdenkmals vorausgesetzt werden. Gab es um 1840 allein in der Süntel-Deister-Gegend noch einige Tausend der verdreht und in die Breite wachsenden Bäume, ist ihr Bestand mittlerweile auf unter 200 Exemplare in ganz Deutschland gesunken. Der heute größte Bestand älterer Süntelbuchen ist dem Gärtnermeister Carl Thon zu verdanken, der die Bäume mit dem ungewöhnlichen Zickzack-Wuchs um 1930 im Kurpark gepflanzt hat. Die Allee sei eine Einzigartigkeit für den Kurpark, für Schaumburg und ganz Niedersachsen, die es gelte zu pflegen, betonte Reese.

    Foto: jl

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