RODENBERG (nb). Die Vorfälle haben sich bereits herumgesprochen, Eltern sind besorgt und Kinder haben Angst, dass ein Mann mit dubiosen Absichten herumfährt und Kontakt zu Kindern sucht. Tatsächlich hat es am Mittwoch einen Vorfall gegeben, der als Ursprung dessen zu sehen ist. Auf dem Schulweg war ein elfjähriger Junge auf Höhe der Ecke Eulenweg/Lerchenweg von dem Fahrer eines schwarzen Autos angesprochen und nach dem Weg gefragt worden. Nachdem er dem Mann nicht hatte weiterhelfen können, forderte er den Jungen bei nur knapp heruntergelassener Scheibe auf, in sein Auto einzusteigen und ihm dort seinen Standort auf der Karte zu zeigen, wie die Mutter des Jungen berichtet.
Da der Elfjährige bereits in einem Präventionstraining auf solche Situationen vorbereitet worden war, wusste er, wie er reagieren musste und trat gleich vom Auto zurück, um dem Mann gar nicht erst die Chance zu geben zu agieren. Mit einem "komischen Bauchgefühl" rannte er schließlich weg. Seine Eltern verständigten später die Polizei. Entgegen einiger Behauptungen hatte der Unbekannte jedoch nicht versucht, den Schüler mit Gewalt in das Fahrzeug zu zerren. Die Polizei lobt das Verhalten des Jungen und der Eltern als absolut richtig. Dennoch gehen die Beamten davon aus, dass hinter diesem Vorfall nichts Bedenkliches steckt oder der Mann Böses im Schilde geführt hätte. Kommissariatsleiter Michael-Andreas Meier gab an, dass nach seiner Meinung keine Gefahr für das Kind bestanden hätte.
Auf Nachfrage erklärte Sascha Heineking, Dienstschichtleiter des Polizeikommissariates Bad Nenndorf, dass es aus dem Gespräch mit dem Jungen keine Hinweise gegeben hätte, dass der Mann ein seltsames Verhalten an den Tag gelegt habe. Auch wenn sicherlich fraglich ist, wie glücklich es ist, ein Kind auf diese Art nach dem Weg zu fragen. Es gebe laut Heineking ebenso keinen Anlass zu denken, dass der Mann sich in irgendeiner Weise falsch verhalten habe. Die meisten der deutschen Einwohner seien eben "vernünftig" und davon müsse auch die Polizei ausgehen. Zudem möchten die Beamten vermeiden, dass sich "die Leute alle kirre machen" und ruhig bleiben. Nicht nur die Eltern seien in Aufruhr, es habe auch sehr viele Falschmeldungen von Kindern gegeben, die Aufmerksamkeit gesucht hätten.
Heineking versichert, dass die Polizei den Vorfall nicht auf die leichte Schulter genommen habe, dem nachgegangen sei und auch Schulwegüberwachungen vornehme. Es gebe keinerlei Grund, in Panik zu geraten. Kurze Zeit nach dem Vorfall waren auf sozialen Netzwerken bereits verschiedenste Reaktionen, angebliche Beobachtungen und Mutmaßungen zu lesen. Die Mutter des betroffenen Jungen distanziert sich davon und betont, dass sie nichts mit den Pinnwand-Einträgen zu tun habe. Ihr seien auch keine weiteren Vorfälle bekannt. Sie ist jedoch sicher, dass das Gefühl ihres Sohnes richtig war: "Das war keine Bagatelle. So etwas macht doch kein normaler Mann." Sie rät anderen Eltern, einfach weiterhin vorsichtig und wachsam zu sein und ihre Kinder auf solche Situationen vorzubereiten.