RINTELN (km). Was rund 400 Besuchern am vergangenen Sonnabend im alten Jahr in der Nikolai-Kirche geboten wurde, das hatte Großmeister Johann Sebastian Bach exakt 278 Jahre zuvor höchstpersönlich zum ersten Mal inszeniert, und zwar ebenfalls in der Nikolai-Kirche, allerdings in Leipzig.
Während Wolfgang Westphal und seine musikalischen Mitstreiter diesmal die erste Hälfte des weltberühmten Weihnachts-Oratoriums aufführten, hatte Komponist und Dirigent Bach dem Premieren-Publikum im Jahr 1734 selbstverständlich das komplette Werk präsentiert. Für viele Zuhörer wird es möglicherweise auch das einzige Mal gewesen sein, denn das Oratorium war an gleicher Stelle erst fünf Jahre später noch einmal zu hören. Die komplette Veranstaltung soll der Überlieferung nach seinerzeit drei Stunden gedauert habe - von sieben bis zehn Uhr morgens.
Dabei muss es in der umbeheizten Kirche im Winter wohl recht frisch gewesen sein.
Allerdings dürften etliche der rund 2000 Konzertbesucher am frühen Morgen gleich zum Auftakt sowieso richtig wach geworden sein, da die erste Kantate mit vollem Ensemble und fast "molto con brio" daher kam. Und daher kommt: Auch bei Wolfgang Westphal, seinen Solisten, dem Schaumburger Oratorienchor, dem Jugendchor der Evangelischen Singschule sowie dem Schaumburger Kammerorchester ging es mit der gleichen, lebendigen Ensemble-Partie los - so dass spätestens nach den ersten 16 Takten auch das letzte Nachmittagsschläfchen beendet gewesen sein dürfte. Anders als damals in Leipzig war es in der Rintelner Nikolai-Kirche auch angenehm warm. Und schließlich muss das Publikum vermutlich auch nicht fünf Jahre warten, bis es das grandiose Werk an gleicher Stelle erneut genießen darf - auch wenn Wolfgang Westphal bekanntlich in diesem Jahr in den Ruhestand verabschiedet wird.
Für den speziellen Genuss im Bereich Gesang sorgten diesmal unter anderem auch zwei "Lokalmatadore": Sebastian Brendel (Bariton) und Ina Westphal (Sopran) zeigten neben Eva Schuster (Alt) und Patrick Grahl (Tenor) professionelle solistische Qualitäten. Ein Kompliment gebührt aber auch den vielen Laien-Musikern, die unter der Leitung von Wolfgang Westphal einmal mehr eine solide Vorstellung ablieferten.
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