RINTELN (ste). 250 Jahre "Schaumburger Zeitung". Grund genug, um ausgiebig zu feiern und umfassend zurück zu blicken. Den Rückblick konnten die Leser der "SZ" am Jubiläumsmorgen in ihrem Briefkasten vorfinden. 128 Sonderseiten von dem Start bis in die heutige Zeit zeigten die Geschichte der Heimatzeitung in besonders anschaulicher Weise. Ein gutes Stück Zeitgeschichte für das persönliche Archiv! Der große Festempfang fand in der St. Jakobi-Kirche am Kollegienplatz statt: "Morgens um 10; denn Zeitungsmacher sind Frühaufsteher", wie Geschäftsführer Stefan Reineking in der gut gefüllten Kirche vor den Ehrengästen Ministerpräsident David McAllister, Verleger Günther Niemeyer, VNZV-Präsident Alfred Dobler, Spiegel-Chefredakteur Georg Mascolo, Bürgermeister Karl-Heinz Buchholz und Landrat Jörg Farr betonte. Ministerpräsident David McAllister gefiel die Zeit gut, denn sein Terminplaner ist vor Weihnachten prall gefüllt. Er überbrachte die Grüße der Niedersächsischen Landesregierung und hob die Meinungsvielfalt durch die vielen regionalen Zeitungen im Land hervor. Nur wer gut informiert sei, könne auch in politischen Fragen gut mitreden, so McAllister, der die gedruckte Zeitung als Frühstückslektüre selbst täglich zu schätzen weiß. Heimatzeitungen, so der Ministerpräsident, seien Information und Orientierungshilfe für die Menschen im Land.
Verleger Günter Niemeyer hörte das gern. Seine Familie hält seit 60 Jahren das Zepter der Schaumburger Zeitung in ihren Händen. Er berichtete von den Spuren, die das rasante Wachstum des Internet in der Zeitungslandschaft hinterlässt. Die Schaumburger Zeitung habe diesen Trend allerdings nicht verschlafen und reagiere darauf. In wenigen Tagen kommt ein komplett neuer Internetauftritt. Niemeyer dankte besonders auch dem Chefredakteur Georg Mascolo des Magazin "Der Spiegel", der sich an seine ersten journalistischen Schritte bei der Schaumburger Zeitung erinnerte. Mascolo hielt die Festrede mit den einleitenden Worten: "Ich bin und bleibe ein Kind der Schaumburger Zeitung!" Erste Berichte schrieb er für die Heimatzeitung, machte hier seine Erfahrungen, Fehler und Erfolge. Journalisten, so Mascolo, liefern ein handgefertigtes und tolles Produkt: "Und wie es bereits in der ersten Ausgabe der Schaumburger Zeitung stand, publikums- und volksnah!" Beim Lesen der alten Artikel könne man Vergangenheit lebendig machen und meistens habe die SZ mit ihrer Meinung auf der richtigen Seite gestanden: "Bis auf zwölf Jahre NS-Zeit!". Mascolo richtete auch einen Blick in die Zukunft der Zeitungslandschaft: "Hier ist es wie bei einer Grippe; die Schwachen gehen zuerst!" Wichtig, so der Spiegel-Chefredakteur, sei es, was gelesen wird, nicht wie. Ob in Papierform, Smartphone oder Tablet: "Der Leser ist anspruchsvoller geworden und will den Dialog. Nur ein Blatt, was seinen Lesern etwas wert ist, kann auf Dauer überleben!" Für die SZ schaute Mascolo optimistisch in die Zukunft: "Wir beim Spiegel sind nicht die geborenen Optimisten, ich glaube aber an 300 Jahre Schaumburger Zeitung!"
Ein persönliches Wort richtete er an seinen "Lehrherren" Hans Weimann, der ihm vor 30 Jahren mit den Worten "Entweder Du funktionierst, oder Du fliegst" den richtigen Weg gewiesen habe.
Ewald Dobler, Präsident des Verbandes Nordwestdeutscher Zeitungsverlage, stellte fest, dass in der Region verwurzelte Heimatzeitungen weniger unter der sinkenden Nachfrage leiden als überregionale Zeitungen. Leser nehmen durch die heimische Zeitung teil am Leben der Region, sind informiert und die Zeitung sei ein Reflektor des öffentlichen Lebens. Die SZ ist die zweitälteste Zeitung in Niedersachsen und deutschlandweit auf Platz sechs.
Bürgermeister Karl-Heinz Buchholz würdigte die enge Bindung zwischen Lesern und Zeitung im ländlichen Raum. Der hier gezeigte "Journalismus" sei dennoch weder als provinziell noch als minderwertig zu bezeichnen. Die Zeitung sei mehr als eine Informationsplattform, sie sei "Heimat im besten Sinne des Wortes!" Wenn er als Bürgermeister auch persönlich auf die eine oder andere Information morgens in der Zeitung verzichten könnte, sieht er die Berichterstattung dennoch als wichtige Teilhabe der Leser am Geschehen in der Stadt. Am Ende des Festaktes in der Kirche gab es einen "kurzen Fußmarsch" zum Besuch des Museums zur Ausstellung von Original-Karikaturen von Horst Haitzinger. Diese sind seit vielen Jahren auch in der SZ zu sehen. Foto: ste
