RINTELN (km). Das "Augusterlebnis 1914" - so lautete jetzt das Thema eines informativen Vortrages bei der Senioren-Union, zu dem Vorsitzender Dieter Edler über 30 Mitglieder und Gäste begrüßen konnte. Der Historiker Dr. Joachim von Meien berichtete dabei über den Ausbruch des ersten Weltkrieges im August 1914 - und wie die dramatischen Ereignisse seinerzeit im Fürstentum Lippe wahrgenommen wurden.
Dabei wurde zunächst eines deutlich: In dem "auf den ersten Blick recht homogenen Kleinststaat," so von Meien, "haben die Menschen sehr unterschiedlich auf den Kriegsausbruch reagiert." So seien in der "Beamtenstadt Bückeburg", mit vielen Staatsdienern, mit Militär, Adel und reichen Pensionären fast Euphorie konstatierbar gewesen. Stadthagen habe sich als Arbeiterstadt eher reserviert gezeigt, und die Menschen in den überwiegend landwirtschaftlich geprägten Dörfern hätten auf den Kriegsausbruch eher verängstigt und besorgt reagierte, weil sie in die landwirtschaftlichen Produktionsabläufe eingebunden seien - und die Ernte vor der Tür gestanden habe. Deshalb hätten man auf die eingezogenen Männer nicht verzichten können.
Generell unterschied Dr. Joachim von Meien bei der Reaktion der Menschen auf den Kriegsausbruch auch nach Kritierien wie Konfession, Schichtzugehörigkeit, Alter und Region. In der anschließenden Diskussion wurde auch noch einmal die Rolle Deutschlands bezüglich des Kriegsausbruchs thematisiert. Dabei nehme die aktuellere Forschung, so von Meien, eine Relatvierung der angeblichen deutschen Hauptschuld am Kriegsausbruch vor. Heute nehme man verstärkt auch die anderen beteiligten Mächte in den Blick und erkunde und gewichte deren jeweiligen Interessen, die sie notfalls auch militärisch durchzusetzen bereit gewesen seien. Der Grund für den Kriegsausbruch werde also heute mulitkausaler gesehen als früher.
Am Ende bedankte sich Vorsitzender Dieter Edler bei Dr. Joachim von Meien mit einer guten Flasche Wein.
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