Nicht einmal einen Namen hat er in dem Stück "Der Kontrabass". Der Intendant höchstpersönlich des Theaters der Altmark aus Stendal mit Namen Alexander Netschajew hat sich der Rolle des monologisierenden Agitators verschrieben. Welche grandiose Leistung! Gesteigert noch dadurch, dass eine allerfeinste Abstimmung zu erfolgen hatte mit ihm und vier Kontrabassisten, die kurzerhand aus der Versenkung auftauchten und dem Darsteller Instrument sozusagen aus der Hand rissen und nun ihre eigene Musik komponierten sowie bekannte Melodien für vier Kontrabässe arrangierten, für Musiker von Weltklasse eine wahre Freude.
Wofür steht eigentlich "Der Kontrabass" von Patrick Süskind?
Die Antwort gibt es auf weite Strecken. Alexander Netschajew mit einer stark dominierenden Geste: In fast zu kurzen Abständen rauft er sich sein Haar, schlicht um anzuzeigen: Es ist alles so hohl, so zwecklos, so sackgassig. Und das liegt nicht "an den Verhältnissen, frei nach Bert Brecht. Es liegt an mir, nur an mir. Gewiss, ich bin defizitär, aber nicht nur. Nichts gegen Sarah, "ihr Gesang geht mir unter die Haut, das ist beinahe sexuell, aber charakterlich eine Null, geistig hoffnungslos unterbelichtet, einem Mann meines Formats überhaupt nicht gewachsen." Da eben ist er: konträr bis ins Extrem.
Und genau das macht den Menschen aus, der heute Zeit und Muße findet, über sich nachzusinnen. Das hat Patrick Süskind trefflich erkannt und vortrefflich szenisch gestaltet. Ist der Kontrabass dort das "uneleganteste Instrument", ist er hier das "zentrale Orchesterinstrument, der Kraftquell, aus dem heraus sich jeder musikalische Gedanke speist, der eigentlich zeugende Pol, aus dessen Lenden - bildlich - der musikalische Samen quillt...das bin ich! Alles andere ist Gegenpol. Alles andere wird durch den Bass zum Pol."
Damit ist die Bandbreite vorgezeichnet, die der Darsteller zur Erhaltung seiner Fertigkeiten und Fähigkeiten geliefert bekommt. Alle Regungen reizt er aus, vom Triumphator hinab bis zum kläglichen Versager, vom erotisch beseelten Schwärmer zum elenden Wurm, dem keine Frau zugetan sein will. Das alles im Pyjama und schlabberndem Bademantel. Er kommt einfach nicht in die Klotten.
Nochmal: Was ist der Kontrabass? Wozu dient er? Er ist Folie, in die der Mensch mit seinen Freuden und seinen Leiden eingraviert wird. Eine tiefe Verbeugung vor allen dreien: Patrick Süskind, dem Autor. Alexander Netschajew als einem neuen Jedermann und den vier Kontrabassisten, die mit für Kurzweil sorgten. Beifall über Beifall! Oskar Wedel