RODENBERG (pd). Auf Initiative des Bündnisses "BüRo" (Bürger Rodenbergs für Demokratie gegen Rechtsextremismus" wird am Mittwoch, 5. Dezember, um 9 Uhr in der Echternstraße vor dem Haus Nummer 19 der erste "Stolperstein" verlegt.
Zum Gedenken an Paul Jost, Jahrgang 1892, im Zuchthaus Hameln 1945 verstorben. Jost war von der Gestapo verhaftet worden und zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt worden. Die genauen Umstände seines Todes blieben ungeklärt. Der Künstler Gunter Demnig, der europaweit "Stolpersteine" für Opfer des Nationalsozialismus verlegt, wird am Vorabend der Verlegung, Dienstag, 4. Dezember, um 19 Uhr im Hotel "Stockholm in Rodenberg einen Vortrag zu seiner Arbeit halten.
Der Eintritt zu dem Vortrag ist frei.
Die Steine versieht der Künstler mit den Namen der Opfer und verlegt sie vor deren einstigen Wohnungen im Straßen- oder Gehwegpflaster.
Das Projekt hat sich inzwischen mit 35 000 Steinen (Stand Mai 2012) in etwa 750 Orten in zehn Ländern Europas zum weltweit dezentral größten Mahnmal entwickelt.
Für den ersten in Rodenberg verlegten "Stolperstein" hat sich vorrangig die Intitiative "BüRo" stark gemacht. Der Gedenkstein soll zu Ehren des Rodenbergers Paul Jost vor seinem ehemaligen Wohnsitz ins Pflaster eingelassen werden.
Jost ist in Witten an der Ruhr geboren, arbeitet 25 Jahre bei der Reichsbahn und wohnte in der Echternstraße 19.
Er war überzeugte Sozialdemokrat und Mitglied im Arbeiter-, Turn- und Sportbund.
Ab dem Jahr 1943 musste er sich regelmäßig bei der Gestapo melden, weil er unter Verdacht stand, in den Reichsbahnzügen regimefeindliche Blätter ausgelegt, sowie Zwangsarbeitern Essen zugesteckt zu haben.
Am 28. Juni wurde Jost durch die Gestapo verhaftet.
Der Vorwurf: "Verbrechen gegen die Rundfunkverordnung". In einer Sondergerichtsverhandlung wird dem Rodenberger im Juli 1943 vorgeworfen, als Besitzer eines Rundfunkgerätes nicht nur Frontberichte, Nachrichten und Musik zu hören, sondern auch den zufällig empfangenen "Feindsender", über den er sich ab November 1943 informierte.
Als Motiv dafür gab er an, Informationen über den Verbleib seines Sohnes bei der Kriegsmarine erhalten zu wollen.
Jost wird zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt, abzusitzen im Zuchthaus Hameln.
Ein gestelltes Gnadengesuch der Ehefrau Dorothea Anfang 1944 wird abgelehnt.
Drei Wochen nach der Befreiung des Zuchthauses verstarb Jost am 28. April 1945. Die angegebene Todesursache "Durchfall, Herzschwäche" findet sich in gleicher oder ähnlicher Form Dutzende Mal.
Die Angehörigen waren nicht über seinen Tod informiert worden.
Er wurde wie viele Andere auf einem abgelegenen Feld des Friedhofes Wehl ohne Sarg beigesetzt.
Ab Juni 1945 konnte die Familie das Grab besuchen.
Der Wunsch nach einer Umbettung zum Wohnsitz nach Rodenberg wurde abgelehnt.
Nach Ablauf der Liegezeit wurden durch die Stadt Hameln die 300 Grabstellen im Jahr 1975 eingeebnet.