BAD NENNDORF (pd). Aus dem Fußball kennt man sie, die gefürchtete "Rote Karte" für eine grobe Unsportlichkeit. Radfahrer, die sich nicht an Regeln halten und Rücksichtslosigkeit an den Tag legen, müssen in diesen Tag innerhalb der Samtgemeinden Nenndorf und Rodenberg mit einer solchen "Pappe" rechnen. Denn der neue Kontaktbeamte des Bad Nenndorf Polizeireviers, Jürgen Henze, hat sich unter anderem vorgenommen, die Radfahrer verstärkt ins Visier zu nehmen. Grundsätzlich gehört für den Nachfolger von Ferdinand Vyskozil, der im Februar nächsten Jahres in den Ruhestand geht, die Vorbeugung und die Aufklärungsarbeit zu seinen Hauptbetätigungsfeldern.
Erreichen will der Kommissar dies unter anderem mit der "Rote-Karte"-Aktion, die jetzt anläuft. Die Fahrt über eine rote Ampel, das Benutzen der Fußwege, das Fehlen von Beleuchtung am Rad sind nur einige der Punkte, die überhaupt keine "Kavaliersdelikte" sind und im Bußgeldkatalog mit beträchtlichen Strafen bedacht werden. "Das ist vielen Radfahrern ja gar nicht bewusst", glaubt Henze. "Es gibt eben Regeln, die eingehalten werden müssen", mahnt der Polizist mit langjähriger Erfahrung im Streifendienst. Das Fehlverhalten bleibt in diesen Wochen aber noch ohne Konsequenzen. "Wir werden zunächst nur verwarnen und aufklären", fährt Henze fort. Im Frühjahr, wenn die Radsaison wieder richtig losgeht, soll es aber verschärfte Kontrollen und auch Strafen geben. Ganz nach der Devise "Wer nicht hören will muss fühlen, dann geht es den Übertätern ans Portemonnaie", so der Beamte. Die Aktion soll den Effekt haben, dass Radfahrer Rücksicht walten lassen, sich an die Verkehrsregeln halten und aus Fehlern lernen. Er wolle so oft wie möglich in den Straßen unterwegs sein, Ansprechpartner für die Bürgerinnen und Bürger sein. Wie sein Vorgänger wird die Prävention einen besonderen Stellenwert in seiner Arbeit darstellen. Verkehrserziehung in Kindergärten und Schulen, die Kodierung von Fahrrädern, die Ausbildung von Bus-Scouts an Schulen oder die Abnahme der Fahrradprüfungen werden seinen Arbeitsalltag auch mit bestimmen. Mit einer zweiten Aktion will Henze die Bewohner der Samtgemeinde für das Thema "Wohnungseinbruch" sensibel machen. Bei seinen Streifengängen will sich der Polizist in nächster Zeit vor allem die Häuser anschauen, bei denen die Fenster auf Kipp stehen und die Bewohner offensichtlich nicht zu Hause sind. "In solchen Fällen werde ich mit freundlichen Grüßen eine Postkarte in die auf Spalt geöffneten Türen oder Fenster werfen. Darauf stehen Tipps für die optimale Sicherung der eigenen vier Wände und der knappe Hinweis ‚Tür war gekippt!‘" Wer mehr zur optimalen Absicherung vor Einbrüchen wissen möchte, den berät die Polizei auch gerne direkt vor Ort.
Ein weiteres Augenmerk möchte Henze in den kommenden Monaten auf die Arbeit mit Senioren legen. Vor allem das Thema "Verkehrstauglichkeit im Alter" liegt ihm dabei vorrangig am Herzen. Geplant sind Aktionen mit ortsansässigen Experten wie Optiker, Apotheker oder Hörgeräteakustiker. "Ich sehe das als weitere Serviceleistung, die die Polizei den Bürger anbietet", so der Beamte. Es gehe dabei nicht um eine starre Kontrolle oder Gängelung, sondern vielmehr darum, Senioren mit Defiziten im Bereich Seh- oder Hörfähigkeit zum Nachdenken anzuregen. Die Idee, regelmäßig gut frequentierte Fahrrad-Abstellplätze nach möglichen gestohlenen Drahteseln zu durchsuchen, hat Henze aus Großstädten übernommen. Vor allem die Bahnhöfe in Haste und Bad Nenndorf sollen Ziel von solchen "Aufräumaktionen" werden. Die doch relativ hohe Zahl an Fahrraddiebstählen soll damit bekämpft werden. Die Räder, die allem Anschein nach schon lange abgestellt sind, werden mit der Aufforderung versehen, diese innerhalb einer Frist zu entfernen. Geschieht dies nicht, landen diese Räder beim Fundbüro. Foto: pd
