BAD NENNDORF (bb). Die Polizei bereitet sich für den Einsatz beim sogenannten Trauermarsch von Neonazis in Bad Nenndorf am kommenden Sonnabend, dem 4. August, auf eine noch kompliziertere Lage als in den Vorjahren vor. Zu dieser Einschätzung führt die Anmeldung eines weiteren Gegen-Demonstrationszuges unter vermuteter Beteiligung von gewaltbereiten Linksextremisten und dreier zusätzlicher Gegenkundgebungen, sowie die Hinweise auf eine gesteigerte Entschlossenheit von linksextremer Seite, den "Trauermarsch" diesmal zu blockieren.
"Wir gehen davon aus, dass dies der größte Polizei-Einsatz in diesem Jahr in Niedersachsen wird", erklärte Frank Kreykenbohm, Leiter der Polizei-Inspektion Nienburg-Schaumburg und Einsatzleiter am Sonnabend. Im Pressegespräch informierte Kreykenbohm gemeinsam mit dem Leiter des Polizeikommissariats Bad Nenndorf Michael-Andreas Meier über die Vorbereitungen und Einschätzungen der Polizei rund um den sogenannten Trauermarsch der Rechtsextremen in Bad Nenndorf.
Nach rund 580 rechtsextremen Marschierern im Vorjahr rechne die Polizei für 2012 mit einer leichten Steigerung der Zahl der Neonazis, wie Kreykenbohm festhielt. Aufgrund der umfangreichen Bauarbeiten in Bad Nenndorf werde die Route des "Trauermarsches" diesmal auf die kürzeste Strecke beschränkt, direkt vom Bahnhof über die Bahnhofstraße zum Kundgebungsort am Wincklerbad und über denselben Weg zurück.
Wie in den Vorjahren rufe das Bündnis "Bad Nenndorf ist bunt" zu einer Gegendemonstration auf, angemeldet vom DGB. Nach einer Kundgebung um 10.30 Uhr an der Bornstraße werde sich dieser Zug des "bürgerlichen Protestes" gegen die Neonazis gegen 11 Uhr in Bewegung setzen. Nach rund 1000 Gegendemonstranten im Vorjahr rechne die Polizei mit einer weiteren Zunahme der Protestierenden. Auch hätten Bad Nenndorfer Bürger entlang der Marschroute der Rechtsextremen wiederum eine Reihe von Privatfeiern angemeldet.
Ein "Bündnis gegen Rechts" habe ebenfalls einen Demonstrationszug gegen den Neonazi-Aufmarsch angemeldet. Dieser werde gegen 9 Uhr starten und fast die gleiche Route nehmen, wie der Zug des DGB rund zwei Stunden später. Hier rechne die Polizei mit rund 350 Teilnehmern, darunter viele Linksextreme und "ein nicht unerheblicher Teil Gewaltbereiter", wie Frank Kreykenbohm festhielt. Dazu seien Einzelkundgebungen von der "Grünen Jugend", der "Linken" und den Jusos angemeldet worden.
Seit dem Start der "Trauermärsche" vor sieben Jahren sei es der Polizei stets gelungen, Zusammenstöße zwischen gewaltbereiten Rechts- und Linksextremisten zu verhindern. Öffentliche Aufrufe und die Kommunikation auf linksextremer Seite würden auf eine gesteigerte Entschlossenheit hinweisen, den Zug der Neonazis in diesem Jahr erstmals zu blockieren, die Polizeisperren mit "koordinierten Aktionen" zu überwinden. "Die Rechten laufen in diesem Jahr nicht", diese Idee entwickle 2012 offenbar einen gewissen Symbolwert und eine besondere Motivation.
Damit werde der Einsatz schwieriger für die Polizei. Außerdem bestehe die Gefahr, dass Aktionen solcher von außerhalb kommender linker Gewalttäter, auch Auswirkungen auf den Protestzug des DGB, also den bürgerlichen, friedlichen Protest haben könnten, eventuell auch auf die Privatfeiern. Wenn etwa die Polizisten durch linke Gewalttäter in Atem gehalten würden, könne es auch zu zeitlichen Verzögerungen bei der DGB-Kundgebung kommen. DGB und "Bad Nenndorf ist bunt" hätten sich sehr deutlich von gewalttätigen Protestformen abgegrenzt. Es wäre bedauerlich, wenn der friedliche und kreative bürgerliche Protest in Folge des Vorgehens von linken Gewalttätern beeinträchtigt würde. Ohnehin sei es eine Fehlkalkulation zu glauben, mit einer Eskalation die Aufmärsche der Rechtsextremen verhindern zu können. Foto: bb