RINTELN (km). Weit über 100 Gäste konnte Dr. Peter Neumann jetzt beim Festakt zum zehnjährigen Bestehen des Hauses der Weltreligionen begrüßen - darunter Hinduisten, Buddhisten, Juden, Christen, Muslime und Bahai. Neumann freute sich zudem über die Anwesenheit von Mitgliedern und Leitungsgremien der Rintelner Kirchengemeinden: Der Katholiken, der Lutheraner und der Reformierten. Musikalisch umrahmt wurde der Abend von Intermezzi des Rintelner Gospel-Chores unter der Leitung von Sven Rundfeldt.
Zu den hochrangigen Gästen in der Nikolai-Kirche zählten Verantwortliche aus Politik, aus Vereinen und anderen gesellschaftlichen Institutionen, darunter Oberlandeskirchenrat Dr. Klaus Grünwaldt und Dr. Heike Köhler von der Hannoversche Landkirche, Professor Dr. Reinbold vom Haus kirchlicher Dienste in Hannover, Landrat Jörg Farr, der Erste Stadtrat Jörg Schröder sowie, last not least, der Festredner, Professor Dr. Karl-Josef Kuschel aus Tübingen.
"Zehn Jahre Haus der Weltreligionen," ordnete Dr. Peter Neumann bei seiner Begrüßung ein, seien "gemessen an der Ewigkeit oder auch nur an der langen Geschichte der Weltreligionen sicher nicht viel".
Aber in der Biografie eines Menschen oder eines Vereins hätten sie dennoch schon eine gewisse Bedeutung: "In diesen zehn Jahren haben wir auf ganz verschiedene Weise den Dialog unter den Religionen zu führen versucht, mit unterschiedlichem Erfolg zwar, aber immer mit großem Engagement - ehrenamtlichem Engagement. So hätten etwa in den ersten drei Jahren die eingeladenen Referenten kein Honorar genommen.
"Weil wir kein Geld hatten: Ohne ihren selbstlosen Einsatz und die Tatkraft vieler anderer und ohne die Spenden unserer Mitglieder und Förderer wären wir niemals so weit gekommen."Es werde viel über den Egoismus unserer Zeit geredet, so Neumann. Freilich gebe es den, "aber wir sollten auch mit Freude und Dankbarkeit wahrnehmen, wie groß die Bereitschaft in allen Bevölkerungsschichten ist, ohne Entlohnung etwas für das Gemeinwohl zu tun". Was die Anliegen des Hauses der Religionen angehe, gebe es noch viel zu tun - "und da werden wir die eben genannten Ehrenamtlichen weiterhin nötig brauchen." Die Religionen hätten in der Vergangenheit, "je auf ihre Weise Großartiges geleistet und werden das auch künftig tun".
Manches Vorurteil hätte abgebaut werden können, und es gebe längst Zusammenarbeit unter den Religionen, aber, immer noch "auch manche schwer zu begreifende Merkwürdigkeiten". Es schmerze, so Neumann, wenn Menschen, die der gleichen Religion angehörten, nicht miteinander sprächen: Orthodoxe Juden nicht mit liberalen, Alewiten nicht mit ihren muslimischen Glaubensbrüdern oder umgekehrt. Christen verschiedener Glaubensauffassung redeten häufig nicht miteinander - "allenfalls rechthaberisch übereinander".
Es tue weh, zu sehen, wenn die Ehre oder die Tradition, also religionsfremde Elemente, über die höchsten Güter, auch über die höchsten Güter der eigenen Religion gestellt würden: Nämlich über das Leben und die Liebe. -
Welche Bemühungen um einen sinnvollen Dialog verschiedene weitsichtige Menschen schon in der Vergangenheit unternommen haben, das analysierte Professor Dr. Karl-Josef Kuschel im Anschluss in seinem Festvortrag. Kuschel hat den - offenbar einzigartigen - "Lehrstuhl für Theologie der Kultur und des interreligiösen Dialogs" an der katholisch-theologischen Fakultät der Universität Tübingen inne.
Er gehört, gemessen an seinen Forschungen und Veröffentlichungen, zu den weltweit renommiertesten Gelehrten.
Der Experte, der sich zuvor nach einem Lokaltermin vom Haus der Weltreligionen auf dem "steinzeichen"-Gelände in Steinbergen beeindruckt gezeigt hatte, stellte in seinen Ausführungen drei "Pioniere des interreligiösen Dialogs" vor: Hugo Enomiya-Lassalle, Louis Massignon und Martin Buber. Letzterer hatte den Kern der kommunikativen Problematik in einem seiner Traktakte besonders deutlich gemacht:
"Die geschichtlichen Religionen haben die Tendenz, Selbstzweck zu werden und sich gleichsam an Gottes Stelle zu setzen. Und in der Tat ist nichts so geeignet, dem Menschen das Angesicht Gottes zu verdecken, wie eine Religion.
Die Religionen müssen zu Gott und zu seinem Willen demütig werden; jede muss erkennen, dass sie nur eine der Gestalten ist, in denen sich die menschliche Verarbeitung der göttlichen Botschaft darstellt, - dass sie kein Monopol auf Gott hat."
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