BAD NENNDORF (pd). Auch die jüngste Sitzung des Planungs- und Umweltausschusses der Samtgemeinde Nenndorf hat keine schlüssigen Entscheidungen in Bezug auf die Zukunft des Kurhauses Bad Nenndorf ergeben. Auf Antrag der SPD-Fraktion hatte das Barsinghäuser Architekturbüro Zech eine "Machbarkeitsstudie" für den Umzug des Rathauses in das Kurhaus erarbeitet und diese in dem Fachgremium vorgestellt. Das Fazit der ausführlichen Debatte: Grundsätzlich ist der Umzug möglich, auch die enge Verzahnung von Kur- und Tourismusgesellschaft (KurT) und Verwaltung unter einem "gemeinsamen Dach" mit Kurhaus und Haus Kassel könnte funktionieren. Aber neben den finanziellen Aspekten einer solchen "Paketlösung" stehen viele grundsätzliche Fragen zum Raumkonzept und zum Umgang mit den Kurhaus-Mietern im Raum. Nun sollen weitere Alternativen beleuchtet werden, auch der Abriss des maroden Kurhauses ist noch nicht vom Tisch. Die Gesamtkosten des Umzuges der Verwaltung von der Rodenberger Allee in das Stadtzentrum und die damit verbundene Eingliederung der KurT beziffert der Architekt Oliver Zech mit rund 8,3 Millionen Euro. Die dringend notwendigen Sanierungsarbeiten des Kurhauses - mit fünf Millionen Euro angesetzt - sind in diesem Betrag enthalten. Es waren aber vorrangig nicht die Kosten, die im Mittelpunkt der engagiert geführten Diskussion im Fachausschuss standen. Nach wie vor sind sich die Parteien und Gruppen nicht darüber einig, wo die "Reise Kurhaus" tatsächlich hingehen soll. In einer gemeinsamen Sitzung von Samtgemeindeausschuss und Verwaltungsausschuss war beschlossen worden, dass die Verwaltung die Kosten für einen Abriss des Kurhauses samt Neubau eines Verwaltungsgebäudes ermitteln soll. Auch war es kosten würde, das Rathaus zu modernisieren, solle geprüft werden. In seiner Machbarkeitsstudie geht Zech davon aus, dass im Haus Kassel im Erdgeschoss das Bürgerbüro und die Tourist-Info untergebracht werden könnten. Im Obergeschoss hätten Standesamt und Ordnungsamt ihren Platz, im Dachgeschoss kann er sich die Kur-T-Verwaltung vorstellen. Im Kurhaus sieht der Architekt die übrigen Ämter der Verwaltung. Der große Kursaal bliebe unangetastet, ebenso die Hülle. Während im Erdgeschoss Platz für Gastronomie, die bereits bestehende Praxis Werner und Einzelhandel erhalten bleiben könnte, müssten sich die Bestandsmieter aus dem Obergeschoss neue Räume suchen. "Alles nur eine Machbarkeitsstudie und kein Planungsauftrag", betonte Zech ausdrücklich. In der "Fragestunde für Bürger" mischten sich unter anderem auch Ratsfrau Sabine Finsterle von der gleichnamigen Chiropraxis und Uwe Harms von der Podo-Praxis ein. Sie wünschten sich Planungssicherheit und mehr Mitspracherecht. Sie hätten große Investitionen getätigt um ihre Existenzen zu sichern und außerdem herrsche bei ihren Patienten große Unsicherheit in Bezug auf die Zukunft ihrer Praxen.
Für eine endgültige Entscheidung, wo der Weg am Ende hingeht, ist es noch zu früh, merkte auch der Ausschussvorsitzende Karl-Walter Brüggenwirth von der Wählergemeinschaft Nenndorf (WGN) an. Es gehe jetzt darum, alle Alternativen gegeneinander abzuwägen. Dieser Meinung konnte sich Horst Schlüter (SPD) nur anschließen. "Das wird alles noch Zeit kosten", so seine Einschätzung. Werner Bövers (CDU) möchte wie die Mehrheit im Fachausschuss das Haus Kassel ganz aus den Umzugsplänen für die Verwaltung herausnehmen, mit Ausnahme des Bürgerbüros. Mit einem leicht pessimistischen Unterton merkte er noch an, dass eine endgültige Entscheidung wohl nicht vor 2016 fallen würde.