RINTELN (ste). Es war eine Zeit der Angst mit Kubakrise und Gefahr von Atomkrieg. Es war eine Zeit der Begeisterung mit der ersten Mondlandung. Es war eine Zeit der Revolution mit Blümchenbewegung und der Forderung nach freier Liebe und es war eine Zeit des Glücks mit dem ersten Kuss und Musik wie "The sun ain‘t gonna shine anymore" von den Walker Brothers.
Die 60er Jahre, so Schulleiter Herbert Habenicht, sind für die zum Fest eingeladenen Pensionäre die Jugend, für die aktiven Lehrer die Kindheit, für die Schüler allerdings schon Geschichte. Er sandte die Botschaft an seine Schülerinnen und Schüler: "Genießt das Leben, die Zeit vergeht viel zu schnell!" Für Marie Bockhorst-Thöne, die Klassenlehrerin der einjährigen Berufsfachschule Hauwirtschaft und Pflege für Realschulabsolventenlinnen mit dem Schwerpunkt Persönliche Assistenz, hatte Habenicht jede Menge Lob und einen Strauß rosa Nelken mit Asparagus im Gepäck: "Das ist Projektunterricht in Vollendung!" Die Klasse hat die Pensionäre der BBS Rinteln zu dem Fest als Abschluss des Projektes eingeladen. Dieses Projekt wurde jeweils im berufsbezogenen Lernbereich mit den Lernfeldern "Menschen mit Unterstützungsbedarf begleiten und ihnen assistieren" und "Grundlegende hauswirtschaftliche Versorgungsleistungen personenbezogen ausführen" entwickelt. Die Schüler konnten dabei erfahren, wie sich die "Hungerküche" zu Kriegszeiten und danach darstellte. Sie wogen die Rationen der zugeteilten Lebensmittelkarten ab und lernten beispielsweise kennen, welche Gerichte aus der Kartoffel hergestellt werden können, aber auch wie Schlagsahneersatz schmeckt. Natürlich wurden alle Speisen manuell zubereitet. "Weg von Graupensuppe und Muckefuck". Die Schülerinnen und Schüler erfuhren, wie sich die Konsumwelle beginnend mit den 60-ern darstellte. Die Speisen wurden deutlich fetthaltiger, man wagte Exotisches. Der erste Fernsehkoch Clemens Wilmenbrodt servierte dem Publikum Toast Hawai, die Hausfrau servierte Donauwelle und den "Kalten Hund". Diese Speisen fanden sich auch beim 60-er Jahre Buffet in der Schule wieder. Käse-Igel, Fliegenpilztomaten, Russische Eiern und eine alkoholfreie Bowle komplettierten das Angebot. Serviert wurde der Kaffee selbstverständlich aus Porzellankannen. Die Schülerinnen und Schüler kleideten sich authentisch, vom Cocktailkleid bis zum getupften Kleid mit breitem Gürtel. Extra zum Fest ließen sich die Schülerinnen Hochfrisuren stecken. Für den Unterhaltungsbereich wurde ein Sketch von Loriot "Feierabend" einstudiert, die "Tanzenden Socken" mit Schlagern aus den Sechzigern stellen sich vor und es gab auch einen Überraschungsgast, eine Starikone aus Frankreich. Die Schulform bietet vielfältige Möglichkeiten Fach-, Sozial- und Personalkompetenzen zu erwerben. Zielberufe sind Berufe aus dem Bereich Pflegedienstleistungen. Erworben werden kann auch der erweiterte Sekundarabschluss I. Unter bestimmten Bedingungen wird der Eintritt in das zweite Ausbildungsjahr einer dualen Ausbildung ermöglicht. Es ist noch möglich, sich für die Schulform zu bewerben, einige Plätze sind noch frei. Foto: ste