RINTELN (ste). Die Stadt Rinteln war zum elften Mal Gastgeber für die Verleihung des einzigen Wissenschaftspreises in ökologisch-vegetationskundlicher Disziplin, dem Reinhold-Tüxen-Preis. Der ging in diesem Jahr an Prof. Dr. Dres. h.c. Sandro Pignatti aus Rom für sein Lebenswerk zu Fragen der Biodiversität. Bürgermeister Karl-Heinz Buchholz freute sich, dass die Stadt Rinteln im Namen ihres Ehrenbürgers Reinhold Tüxen und der von ihm gegründeten Stiftung den Preis verleihen durfte. Vor 25 Jahren, genau am 13. März 1987, fand in Todenmann, Tüxens Altersruhesitz, die erste Verleihung des Reinhold-Tüxen-Preises statt. Prof. Dr. Wladyslaw Matuszkiewicz aus Polen war der erste Preisträger, ihm folgten Prof. Dr. Erich Oberdorfer aus Freiburg, Prof. Dr. Victor Westhoff aus den Niederlanden, Pro. Dr. Ernst Preising aus Bispingen, Prof. Akira Miyawaki aus Japan, Prof. Dr. Konrad Buchwald aus Hannover, Prof. Dieter Mueller-Dombois aus den USA, Prof. Dr. Otti Wilmanns aus Hinterzarten, Prof. Dr. Frank A. Klötzli aus der Schweiz und Prof. Dr. Heinrich Weber aus Bramsche.
Der besondere Gruß des Bürgermeisters galt dem Leiter des Instituts für Geobotanik und Vorsitzenden der Reinhold- und Johanna-Tüxen-Stiftung, Prof. Richard Pott. Unter seiner Leitung wurde das Symposium, das sich an die Preisverleihung anschloss, auch in diesem Jahr in bewährter Manier sehr professionell organisiert. Der Preis ist mit 5.000 Euro dotiert und für den Symposium-Band machte sich die Sparkasse in Schaumburg mit einem finanziellen Beitrag stark.
Schwerpunkte der Forschung von Prof. Dr. Pignatti sind unter anderem die mediterrane Vegetation, besonders in den Gebirgen der Mittelmeerländer und der Südalpen. Hier hat er zur Flora und Vegetation Italiens mehr als 300 Arbeiten und zahlreiche Bücher veröffentlicht. Das dreibändige Werk "Flora d‘Italia" von 1982 mit über 6.000 Pflanzenarten wurde mehrfach neu aufgelegt und erfährt als Standardwerk derzeit eine elektronische Erfassung in einer umfangreichen Datenbank.
Prof. Pignatti ist Mitglied zahlreicher nationaler und internationaler Akademien und wurde für seine wissenschaftlichen Tätigkeiten bereits vielfach geehrt und ausgezeichnet. Die Laudatio über seinen Freund und sein ökologisch-vegetationskundliches Vorbild hielt Prof. Dr. Riccardo Guarino. Seine zentrale Aussage: "Das Leben, so konnte ich von Prof. Pignatti lernen, ordnet sich immer am Rande des Chaos in mehr oder weniger stabilen Ordnungen. Pflanzen leben dabei in einer Art gelassener Grazie." Guarino stellte aber auch fest: "Wir werden immer ärmer, wenn wir den Planeten weiter so ausplündern." Viele Pflanzen verschwinden bereits aus unserem Ökosystem, bevor man sie überhaupt entdeckt hat. Foto: ste