1. Religion hält die Welt in ihrem Innersten zusammen

    Vortrag von Dr. Neumann zu christlichen Werten in Politik und im realen Leben

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    RINTELN (ste). "Christliche Werte in der Politik und im realen Leben" stand auf der Einladung zur April-Sitzung der "SPD 60+". Als Referent hatte Vorsitzende Claus Holst Superintendent i.R. Dr. Peter Neumann gewinnen können.

    Dieser hatte das Thema etwas schlichter formuliert: "Was ist Religion und wozu braucht man sie?" Und Dr. Neumanns Feststellungen verwunderten zunächst: "Die Frömmigkeit ist ungebrochen stark", stellte er fest, auch wenn die Besucherzahlen an normalen Gottesdiensten immer weiter abnehmen. Gäbe es Krisensituationen, führe der Weg vieler Menschen wieder in die Kirche. Die Leute seien "unheilbar religiös", meinte er dazu. Auch junge Menschen, die sich an Sekten oder Gruppierungen wenden, suchten Geborgenheit und Leitlinien für ihr Leben, die sie in der Familie nicht gefunden hätten. Selbst Atheisten, die auf die Annahme eines Gottes verzichteten, hätten ein Ethos und seien auf ihre Art "religiös".

    Die erste Antwort auf die Frage, was Religion sei, beantwortet der Referent zusammengefasst: "Religion ist ein Sinngebungssystem, das Grundfragen des Menschen nach der Natur und nach seinem Dasein, also "was die Welt im Innersten zusammenhält", erklärt. Die zweite Antwort fasst er in folgendem Satz zusammen: "Religion bietet einen Handlungsrahmen, innerhalb dessen ein sinnvolles menschliches Zusammenleben ermöglicht wird." Religion bedeutet Rückbindung an eine höhere und stärkere Macht. Religiöses Handeln müsse vor dieser höheren Macht verantwortet werden. Trotz aller Unterschiede der Weltreligionen gebe es vier Maßstäbe, die bei allen gleichermaßen auftauchen: Nicht morden! Nicht stehlen! Nicht lügen! Nicht die Sexualität missbrauchen! Diese Imperative seien nach wie vor aktuell, meinte Dr. Neumann unter anderem mit dem Hinweis auf Kindesmissbrauch oder Frauenhandel. Gerade das Thema Sexualität sei beklemmend aktuell. Die dritte Antwort zu Religion gab Dr. Neumann so: "Über alle Unterschiede und Gegensätze hinweg ist Religion fähig, in gemeinsamer Anstrengung ihre positiven Potentiale freizusetzen und damit einen globalen Beitrag zu leisten für Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit in der Welt."

    Zum Abschluss des Nachmittags stellte er einige Bücher vor, unter anderem seine Festschrift zum zehnjährigen Bestehen des Hauses der Weltreligionen im Steinzeichen Steinbergen, die er selbst herausgegeben hat. Ein hochinteressanter Nachmittag mit vielen Denkanstößen ging zu Ende, der nach Meinung der Anwesenden noch stundenlang hätte weitergehen können.

    Foto: privat

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