1. Nach 26 Jahren fällt die letzte Kugel

    Lauenauer Kegelklub "Spätlese" hört auf / Hobbykegeln ist wieder auf dem Vormarsch

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    LAUENAU (al). Genau 26 Jahre haben sie sich alle zwei Wochen getroffen, Kugeln geschoben und viele fröhliche Stunden miteinander verbracht. Jetzt traf sich der Kegelclub "Spätlese 86" zum letzten Mal: Für den Bohlensport fühlen sich die zuletzt noch sechs Damen zu alt – und zu krank. "Die Gelenke", stöhnt eine von ihnen.

    1986 hatten sie solche Sorgen noch nicht. In der Lauenauer Siedlergemeinschaft scharte Jeannette Madretzki acht interessierte Frauen um sich. Die Gründerin übernahm auch den Vorsitz. Bald zählte der gesellige Kreis 17 Mitglieder. Es wurden Fahrten unternommen und Königstitel auf sportlichem Weg ermittelt. Doch nun musste die immer noch amtierende Vorsitzende die Funktion einer "Totengräberin" übernehmen. Ein gemeinsames Essen mit den Ehemännern ließ noch einmal die vielen Jahre Revue passieren.

    Für Uwe Bantelmann, Wirt im "Enzianstüb’l", dem zwei Doppelbahnen angegliedert sind, ist das "Spätlese"-Aus aber eher untypisch. Zwar habe es Klub-Auflösungen aus Altersgründen gegeben, aber es hätten sich auch neue gefunden, so dass weiterhin 34 Gruppen regelmäßig dieKegel fallen lassen. Bantelmann glaubt sogar, einen Trend zurück zum Kegelsport erkennen zu können, nachdem lange Zeit das Bowling in Mode gekommen war: "Jugendliche buchen bei uns sogar außer der Reihe eine Bahn." Nun ist Lauenau seit jeher eine Hochburg des Kegelns gewesen. Der älteste noch existierende Klub geht auf das Jahr 1887 zurück. Zeitweilig gab es im Flecken drei Doppelbahnen. Legendär sind Keglerbälle und jährliche Ligaturniere mit Auf- und Abstieg zwischen zwei Leistungsklassen. Doch davon ist nichts geblieben. Unter den Hobbygruppen gibt es kein gegenseitiges Kräftemessen. Anders dagegen der 1971 gebildete Sportkeglerverein (SKV) Auetal, der Lauenau als seinen Vereinssitz ansieht. In seiner besten Zeit zählte er 300 Mitglieder; heute sind es nur noch 30, von denen sich der größte Teil dienstags ab 17 Uhr auf der Bahn im "Enzianstüb’l" zum Training trifft. Sogar zwei Ligamannschaften hält der SKV aufrecht, fürchtet aber selbst, es nicht mehr lange machen zu können. "Junge Leute haben doch keine Lust, sechs Sonntage als Spieltage zu opfern", klagt Vorsitzender Jürgen Wehner. So sieht er für das Sportkegeln einen "bedauerlichen Trend", der abwärts führe. Die alten Zeiten will die "Spätlese 86" nicht vergessen. "Es waren viele schöne Stunden", sind sich Jannette Madretzki, Uschi Pause, Anneliese Feikes, Gisela Schwabe, Inge Senftleben und Ingeborg Thomalla einig. Deshalb wollen sie auch ihre Freundschaft bewahre – mit monatlichen geselligen Treffen. Foto: al

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