Und dazwischen wuselt Schwejk, der einzige, der verrückt sein muss, insofern sich der Rest der Welt für normal hält.
Aber da nun mal dieser Rest die Welt völlig auf den Kopf stellt, kann Schwejk nur der sein, der ihr wieder auf die Beine verhilft.
Das gelingt dank umwerfender Naivität. Ins Rennen wurde hier geschickt Boris Wagner; welch ein Josef Schwejk! Devot fast bis zur Unerträglichkeit: "Hören Sie endlich auf mit Ihrem ewigen ‚Melde gehorsamst!‘"
Völlige Unterwerfung aber ist es, mit der Schwejk seine Haut rettet, ob instinktsicher oder gespielt:
Er wickelt sie alle ein mit einem Riesenschwall von Wörtern, mit ständig traktierendem Lachen mit der Breite eines Mundes, dessen Winkel von Ohr zu Ohr reichen.
Wie kann ein Darsteller diese Kaskaden von Wörtern derart wirkungsvoll auf die Reihe bringen! Hier fluktuiert Theater vom Feinsten.
Mit im Rennen befinden sich zwei Damen und drei Herren, alle in einer Vielzahl von Rollen, ob als Ärzte, als Pastor, als Soldaten, als General, Hauptmann oder Leutnant oder Dienstmädchen.
Gefragt war also enorme Wandlungsfähigkeit, befördert zudem von Akteuren, die noch während des Spiels die Aufgabe hatten, durch Lavieren einer Reihe von Holzkästen ein immer neues Bühnenbild herzustellen.
Der Krieg als Fanal bestimmte die Aktionen und Reaktionen aller Beteiligten.
Ihr Gebaren bezeugte: Krieg ist verrückt.
Schwejk lieferte eine vorzügliche Folie, in die dieses Statement höchst anschaulich eingraviert wurde. Beifall, viel Beifall.
Oskar Wedel