APELERN (al). Sensationelles für Augen und Ohren haben über hundert Karnevalisten und weit über 40 Helfer hinter den Kulissen einem begeisterten Publikum in Apelern serviert. In drei inhaltsgleichen vierstündigen Prunksitzungen zeigten sie ihr ganzes Können. Beeindruckt davon waren nicht nur gekrönte närrische Häupter, die unter anderem aus Bremerhaven, Hannover und Hameln angereist waren. Auch Behördenvertreter hatten sich überzeugt: Zum ersten Mal im fast vier Jahrzehnte laufenden Vergnügen in der örtlichen Sporthalle waren Stunden vor Beginn Feuerschutzeinrichtungen und Evakuierungsmöglichkeiten geprüft worden.
"Prüfung mit Bravour bestanden", freute sich Karnevalsclub-Vorsitzender Karl-Heinz Thum. Die persönliche Genugtuung endete jedoch schnell in feinen Spitzen, die Apelerns "Straßenkehrer" formulierten.
Nicht einmal vor ihrem Chef machten sie Halt, dessen Karriere "vom Hausmeister zum Präsidenten" sie kommentierten. Bekanntlich hat Thum die Schlüsselgewalt in der neuen örtlichen "Kulturschmiede" ebenso wie das Sagen an der Spitze aller niedersächsischen Narren. Doch es wurde noch mehr kommunaler Staub in Apelern selbst sowie in der Nachbarschaft aufgewirbelt. Samtgemeindebürgermeister Uwe Heilmann ("Uns Uwe") bekam sein Fett weg, revanchierte sich aber umgehend: "Wir werden uns in den kommenden Monaten wieder alle Mühe geben, viel Mist zu machen, damit ihr für die nächsten Sitzungen was habt".
Im weiteren Verlauf des Abends ging es indes ganz unpolitisch, aber nicht mindert kurzweilig zu. Schon war das Publikum gespannt auf die Büttenreden der seit Jahren beliebten Akteure, auf die Akrobatik der Tanzgruppen von der bereits landesweit prämierten Rot-Weiß-Garde bis hin zu den originellen Einfällen, die die Gruppen "Stilbruch", "Junges Ballett" oder auch "Rot-Weiß Friends" präsentierten.
Dass die Bühne nicht nur geschmeidigen jungen Leuten vorbehalten bleiben muss, bewies die aus Rodenberg stammende Formation "Become One": Die ein wenig lebensälteren Damen gefielen mit einem "Abba"-Medley. Jedoch: Der frenetische Beifall steigerte sich – je nach Geschlecht – bei Spitzenkorsagen und entblößter Männerbrust.
Mit Schlüpfrigkeiten hatten zuvor schon die Büttenredner gesorgt und ihrerseits akustische Zustimmung oder Ablehnung geerntet. Was in diesem Jahr besonders auffiel, war der höhere musikalische Anteil am Geschehen.
Lauthals sang das Publikum bei Gesangseinlagen mit. Und natürlich mussten Akteure der Musikkapelle Hülsede/Kathrinhagen eines ihrer schmissigsten Stücke auf den Tischen spielen. Kurzum: Vom Gardetanz und dem Auftritt des Funkenpaars bis hin zum farbenprächtigen Finale war Apelerns Karneval auch in diesem Jahr eine runde Sache. Dass der Besucherandrang zu den drei Sitzungen weiter gestiegen ist, muss daher nicht verwundern.
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