APELERN (al). Die Apelerner Archidiakonatskirche muss in ihrem Innern dringend renoviert werden. Was bereits Gottesdienstbesuchern auffiel, hat jetzt Pastorin Anette Sieling beim Neujahrsempfang der Kirchengemeinde bestätigt. Vor dem neuen Anstrich steht möglicherweise eine weitere Sanierung: Die Dampfheizung ist veraltet und reparaturanfällig.
Besonders die Innenrenovierung dürfte Kopfzerbrechen bereiten. Denn dafür muss die Gemeinde selbst mit Unterstützung des Kirchenkreises aufkommen: Die Landeskirche leistet keinen Beitrag mehr. Sieling rechnet mit der Investition in den nächsten Jahren: "Mit diesem Gedanken müssen wir uns schon mal anfreunden."
Doch es gab auch gute Nachrichten bei der Rückschau zum Jahreswechsel vor den rund 60 Anwesenden. Zunächst in eigener Sache: Ihre Dreiviertel-Stelle bleibe Apelern erhalten, erläuterte die Pastorin. Das verbleibende Viertel widmet sie den Bewohnern Nenndorfer Altenheime. Erfreut zeigte sie sich über die ehrenamtliche Beteiligung hiesiger Christen. In Chören und Gruppen, bei der Kinder- und Jugendarbeit, der Gottesdienstgestaltung "und auch beim Laubfegen" gebe es gute Unterstützung: "Eine Gemeinde lebt durch diese Mitarbeit, ob kontinuierlich oder auch nur punktuell."
Auf fast allen Ebenen konnte sie eine positive Bilanz über das abgelaufene Jahr ziehen: eine gelungene Kinderfreizeit, wachsende Teilnehmerzahlen bei den Frauengesprächsabenden, eine intensivere Jugendarbeit auf Regionsebene, gutbesuchte Seniorennachmittage und ein mit zwei Bussen unternommener
Gemeindeausflug nach Hermannsburg waren nur einige Punkte. Bewährt habe sich das neue Kindergottesdienst-Konzept mit einem monatlichen Treffen und einem damit verbundenen "Kirchencafé im Turm". Nur für den Kirchenchor musste sie um mehr Unterstützung bitten: "Er hat junge Stimmen dringend nötig."
Sieling kündigte für die kommenden Monate eine Ferienreitfreizeit für Kinder, ein dreitägiges Kinder-Ferienprojekt der Region in Apelern sowie eine weitere zweitägige Gemeindefahrt an. Die Reise nach Dresden werde mit einer Übernachtung verbunden sein.
Wenig besorgt zeigte sie sich zu den bevorstehenden Kirchenvorstandswahlen. Es gebe schon eine Reihe von Kandidaten; doch seien in der Liste "noch nicht alle Ortsteile vertreten". Außerdem erhofft sie sich für ihre Gemeinde ein erneutes Superlativ: Beim letzten Urnengang fielen Apelerner Christen durch die höchste prozentuale Wahlbeteiligung auf.
Dass das hiesige Gotteshaus zunehmend überregionale Aufmerksamkeit erfährt, machte die Seelsorgerin am Stichwort "Sigwardsweg" deutlich. Sie bestätigte den bereits bei Kommunalpolitikern und im örtlichen Verein für Heimatpflege und Fremdenverkehr gewonnenen Eindruck, dass die Zahl der Pilger ständig zunehme. Nicht immer erfährt sie direkt davon: Besucher können sich in den beiden örtlichen Hotels den Schlüssel für das Gotteshaus ausleihen und müssen nicht im Pfarrhaus klingeln. Doch sei sie schon mal in eine Andacht "hineingeplatzt" oder habe Besucher bei deren Kirchenbesichtigung überrascht. Deren Bitte musste sie bislang schuldig bleiben: "Wir brauchen dringend einen Pilgerstempel", erklärte sie, "nach ihm wird regelmäßig gefragt".
Das Motto der bevorstehenden Kirchenvorstandswahlen, "Gemeinde stark machen", griff Gemeindedirektor Uwe Heilmann in einem Grußwort auf: Dies gelte auch für die politische Gemeinde. Dabei lobte er das vielfältige ehrenamtliche Engagement und nannte als aktuelles Beispiel die Groß Hegesdorfer Initiative, das Dorfgemeinschaftshaus zu renovieren und umzubauen: "Uns kann nichts Besseres passieren, wenn sich Menschen in den Dörfern selbst organisieren." Der Pastorin gab er einen Rat zur Finanzierung der anstehenden Kirchenbaumaßnahmen mit: "Verkaufen sie der Gemeinde Land; dann haben sie auch das Geld." Allerdings weiß auch Heilmann um das Problem: "Die Landeskirche macht da nicht mit." Foto: al