SAMTGEMEINDE NENNDORF (pd). Nach langer Diskussion, die zum Teil recht kontrovers geführt wurde, ist in der jüngsten Sitzung des Schulausschusses der Samtgemeinde Nenndorf herausgekommen, dass mit der Einführung einer Ganztagsschule in Bad Nenndorf und Haste wohl nicht mehr im kommenden Jahr zu rechnen ist. Zwar ist ein entsprechender Antrag auf Einrichtung von Ganztagsschulen bei der Landesschulbehörde fristgerecht gestellt worden, doch ein schlüssiges Konzept muss noch erarbeitet werden.
Ein von Eltern ausgefüllter Fragebogen zeigt klar, dass ein Bedarf besteht. Doch wie Inhalte und Zeitschienen sinnvoll in eine flexible Nachmittagsbetreuung eingearbeitet werden können, ist noch nicht abschließend geklärt. Anlass für Kontroversen zwischen den beiden Schulleitern, Birgit Flacke-Schröder aus Haste und Torsten Rolke aus Bad Nenndorf, und der SPD ist eine Sitzung des Samtgemeinde-Ausschusses. Hinter verschlossenen Türen war einem SPD-Antrag zugestimmt worden, der die Abgabe eines Antrages auf Ganztagsschulen beim Land forderte. Dieser Antrag hat bis zum 1. Dezember 2011 gestellt werden müssen, um überhaupt für das Schuljahr 2012/2013 ein Chance auf Einführung zu haben. Das fehlende Konzept hat die Verwaltung dann von den Schulen nachgefordert, innerhalb von zwei Wochen. Darüber waren die Schulleiter alles andere als erfreut und sie sparten daher im Fachausschuss nicht mit Kritik. Heike Beiersdorfer von der Wählergemeinschaft Nenndorf (WGN) ergriff nach Ausführungen von Udo Husmann, der den Ausschuss leitete, das Wort. Sie bezeichnete die Antragsstellung ohne Erkenntnisse aus der Fragebogenaktion unseriös. "Der Weg ist merkwürdig gewählt", fand sie. Und überhaupt sei der Vorstoß der SPD, in beiden Orten eine Ganztagsschule einrichten zu wollen, bei der angespannten Haushaltslage nicht in Ordnung. "Das weckt Begehrlichkeiten, die wir nicht erfüllen können", warnte die WGN-Ratsfrau. Entscheidungen über die Köpfe der Schulleitungen und Eltern hinweg fand sie "anmaßend". Die eilige Antragstellung begründete Husmann mit der Tatsache, Fristen nicht verstreichen lassen zu wollen. Der Antrag könne auch wieder zurückgenommen werden, so der Vorsitzende. Rückendeckung bekam er für diese Äußerungen von Fritz Varwig (SPD). Er sieht aus den Ergebnissen der Umfrage belegt, dass die Eltern ein Betreuungsangebot über den Vormittag hinaus wünschen. Dann müsse man dafür auch ein Angebot machen. Auf die Dauer könnte die Einführung einer Ganztagsschule zu einem Wegfall des Hortangebotes in der Samtgemeinde führen, gab er zu bedenken. Auch, weil sich einige Eltern die Gebühren für einen Hortplatz nicht leisten könnten. Für die Schulleiterin aus Haste ist vorrangig ein gutes pädagogisches Konzept wichtig. Sie verwies auf die gute Arbeit, die im Hort in Haste betrieben werde. Dies sei besser, als die Kinder "einfach billig unterzubringen", erklärte Flacke-Schröder. Gegen eine "Sparlösung" sprach sich auch Elternvertreter Frank-Martin Meier entschieden aus. Nach seiner Auffassung müssten Hort und Ganztagsschule nebeneinander angeboten werden. Die beiden Schulleiter betonten ihre Bereitschaft, das Konzept erstellen zu wollen. "Es wäre ihre verdammte Pflicht gewesen, uns dieses vorzulegen", schimpfte Wolfgang Lehrke von der SPD. Die Politik müsse sich dann die Entscheidung vorbehalten, was finanzierbar sei und was nicht. Rolke warnte davor, "Luftschlösser zu bauen". Alle Beteiligten sollten vielmehr bemüht sein ein Konzept, dass Bestand hat, zu erarbeiten und voranzutreiben. "Da ist sicher nicht alles richtig gelaufen", lenkte Varwig ein. Er zeigte seine Bereitschaft, an der Ausarbeitung eines Konzeptes mitarbeiten zu wollen. "Wir haben genaue Vorstellung davon, wie eine Ganztagsschule aussehen soll", bekräftigte Flacke-Schröder. Nach einer langen Debatte einigte sich die große Mehrheit im Ausschuss auf eine Art "Grundsatzentscheidung": Die Ganztagsschule soll möglichst rasch in Gang gebracht werden. Eine Arbeitsgruppe, bestehend aus Schulleitern, Elternvertretern und der Verwaltung soll an einem Konzept arbeiten.