1. Wenn der Baumschmuck einfach verschwindet

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    Es ist ein Morgen wie jeder andere auch. Kaffeeduft zieht durch das Haus, die Familie trifft sich im Wohnzimmer zum gemeinsamen Frühstück, es gibt wie immer am Wochenende Brötchen und Eier. Die Stimmung: entspannt. Niemand von uns denkt an Stress. Schließlich deutet auch noch nichts darauf hin, dass heute Heiligabend ist. Die vier brennenden Kerzen des Adventskranzes lassen lediglich vermuten, dass das Fest der Liebe bald vor der Tür stehen muss.

    Wenn der Baumschmuck einfach verschwindet

    13 Uhr – Die Ruhe vor dem Sturm.

    Nach stundenlangem Erzählen am Frühstückstisch ist es Zeit für ein wenig Bewegung. Wenn Petrus es gut mit uns meint, laden Schnee und angenehme Kälte zu einem Spaziergang durch die weiße Winterlandschaft ein. Im schlimmsten Fall ist es aber kalt, furchtbar nass und stürmisch. Aber auch dann gibt es kein Erbarmen, schließlich ist es unserem Hund schnurzegal, ob er sein Geschäft im Regen oder Schnee verrichtet. Je schlechter das Wetter, desto größer die Freude von uns Zweibeinern auf das Heimkommen und das, was uns dann traditionell erwartet.

    15 Uhr – Gebrannte Mandeln und hausgemachter Glühwein versüßen den Nachmittag.

    Ins kuschlige Warme zurückgekehrt, brauchen Hände und vor allem Füße manchmal etwas länger um wieder aufzutauen. Was hilft da besser als Glühwein und gebrannte Mandeln? Wäre da nicht das schlechte Gewissen, das einem immer wieder zuflüstert, dass eine klassische 100g-Tüte vom Weihnachtsmarkt rund 500 Kalorien zählt. Wesentlich kalorienärmer ist die süße Nascherei in der selbstgemachten Variante, die das Weihnachtsmarktflair schnell und einfach ins heimische Wohnzimmer holt. Dazu noch heißen Glühwein und sich freuen, wie wohltuend diese Ruhe ist. Herrlich.

    16 Uhr – Wo kommt denn auf einmal der Stress her?

    Plötzlich ein Krachen und Fluchen. Der Herr des Hauses hievt den Tannenbaum die Treppe hoch, schleppt ihn durch den Flur, um ihn dann ins Wohnzimmer zu zerren. Immer wieder ein kleines Spektakel. Und dabei ist aus dem einst bis zur Decke ragenden Tannenbaum über die Jahre ein zartes Tannenbäumchen geworden. Dieses noch gar nicht ganz aufgestellt, hallt es auch schon durchs ganze Haus: "Wo sind denn schon wieder die Kartons mit dem Weihnachtsbaumschmuck?". Jedes Jahr aufs Neue durchwühlt das weibliche Oberhaupt der Familie den Dachboden nach den bunten Kugeln, glitzernden Sternen und niedlichen Strohengeln. Denn da, wo die extra beschrifteten Kartons eigentlich stehen müssten, stehen sie natürlich nicht mehr.

    Sie sind weg, spurlos verschwunden. Und niemand will sie verlegt, geschweige denn mal gesehen haben. Also wird gesucht, gekramt, ja geradezu jeder Winkel des Bodens durchkämmt bis der verloren geglaubte "Schatz" wiedergefunden wird – Rumzicken und Schuldzuweisungen nicht ausgeschlossen. Die Kartons endlich aufgespürt, passiert das, was passieren musste: Die schöne, praktische Lichterkette hat den Geist aufgegeben. Eine andere gibt es nicht, also müssen wieder die traditionellen Kerzen herhalten – ein wahres Vergnügen mit Hund und Katze.

    Da war es früher doch irgendwie entspannter. Damals, als die Tür zum Wohnzimmer bereits einen Abend zuvor verschlossen wurde, als nächtliches Rumpeln und Poltern uns Kinder noch davon abhielt, auch nur einen einzigen Blick durchs Schlüsselloch zu riskieren. Der Weihnachtsmann könnte uns dabei erwischen – und zur Strafe ein paar Geschenke wieder mitnehmen. Und überhaupt, was würde passieren, wenn auf einmal der Weihnachtsmann vor uns steht? Panik. Also wurde um die Tür immer ein großer Bogen gemacht, bis sie irgendwann – ganz plötzlich – offen stand. Es war endlich Zeit für die Bescherung unter einem herrlich leuchtenden Tannenbaum. Mit dem Alter kommt aber leider die Erkenntnis, dass nicht der Weihnachtsmann sondern die eigenen Eltern den Baum schmücken. Und wenn man das erst einmal weiß, kann man auch fortan mithelfen, den kahlen Tannenbaum in ein glitzerndes Wunderwerk zu verwandeln.

    17 Uhr – Jetzt wird’s aber eng.

    Zeit, um das prachtvolle Ergebnis der Schmück-Aktion zu bewundern, ist keine. Blitzartig fällt mir wieder ein, was noch auf der To-do-Liste für Weihnachten stand: "Geschenke einpacken!" Geschenkideen werden zwar schon Monate im Voraus präzise ausgearbeitet, gekauft werden die eigentlichen Präsente aber erst wenige Tage vor dem Heiligen Abend und eingepackt auf den letzten Drücker.

    18 Uhr – Alles geschafft.

    Gerade die letzte Schleife gebunden, schallt es durchs Haus "Essen ist fertig!". Während es an den Weihnachtstagen Wildschwein und Reh gibt, kommt Heiligabend traditionell Kartoffelsalat mit Würstchen auf den Tisch. Gegessen wird im Wohnzimmer, wo Kerzenschein, ein leuchtender Tannenbaum und ein Meer aus bunten Geschenken all den vorweihnachtlichen Trubel vergessen lassen. Mit dem ersten Bissen wird das letzte Stückchen Stress heruntergeschluckt.

    19 Uhr – Wer die höchste Zahl würfelt, packt aus.

    Bescherung! Und ruck zuck sind die liebevoll dekorierten Geschenke ausgepackt – Wer kennt das nicht? Eine ganz einfache wie unterhaltsame Lösung bringt ein Würfel. Jeder in der Runde versucht mit ihm sein Glück, der mit der höchsten Zahl gewinnt und darf eines seiner Päckchen aufmachen. Die Bescherung kann so durchaus zwei Stunden dauern – je nach Geschenkeanzahl.

    21 Uhr – Ein frohes Fest.

    Jeder ist glücklich. Der eine testet gleich seine neuen Geschenke auf ihre Tauglichkeit, der andere nascht vom "Bunten Teller". Es wird geredet und vor allem viel gelacht, im Hintergrund läuft eine Weihnachts-CD, denn wer möchte schon Heiligabend zum gefühlten 1000. Mal "Last Christmas" von "Wham!" hören.

    Und während sich der Hund noch immer derart über seinen Knochen freut, dass er fast mit seinem buschigen Schwanz die Kerzen vom Tannenbaum fegt, die Katze auf dem Rücken liegend mit ihren Pfoten am Strohengel zerrt und sich weitere Kerze gefährlich stark neigen, denke ich mir: Nächstes Jahr hängt hier eine Lichterkette, die ich am besten schon gleich in der kommenden Woche kaufe und gut auf dem Dachboden verstaue.

    In diesem Sinne allen ein frohes Fest, besinnliche Tage und ein paar starke Nerven.

    Jana Lamprecht

    Rezepttipps

    BUZ GLJL64a:

    Hausgemachter Glühwein

    1 Liter Rotwein (z.B. lieblichen Dornfelder), 50 ml Rum und 1 Glas Wasser in einen Topf füllen. 1 Orange in Stücke geschnitten, 5 Gewürznelken und 2 Stangen Zimt zugeben. Das Ganze bei kleiner Hitze ca. 20 Minuten ziehen lassen. Den Glühwein mit dem frisch gepressten Saft einer Orange und einer halben bis ganzen Zitrone sowie mit Kandiszucker abschmecken. Nochmals kurz erhitzen, Gewürze und die Orangenstücke entfernen.

    BUZ GLJL64b:

    Gebrannte Mandeln

    Zutaten: 1 Tüte Mandeln (200g), 3 EL Zucker, 2 EL Wasser, 1⁄2 TL Zimt

    Zubereitung in der Mikrowelle: Alles in einer für Mikrowellen geeigneten Schüssel verrühren. Bei 600 Watt zwei Minuten erhitzen, dann rausnehmen und umrühren. Noch ein Mal für zwei Minuten bei 600 Watt in die Mikrowelle stellen. Danach die Mandeln in der Schüssel trocken rühren, damit sie nicht verkleben. Erst dann auf einem Teller servieren.

    …oder nur das Bild mit der Jobnummer GLJL64c: Ein Rezept, das nicht nur den Heiligen Abend versüßt.

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