LANDKREIS (ih). Depressive lachen nicht: Mit diesem Irrtum räumt Eva Lohmann in ihrem Buch "Acht Wochen verrückt" auf. Und zwar ordentlich. Die 30-Jährige beschreibt in ihrem Roman eine Frau, die abstürzt. Das Leben wird ihr zu viel und ehe sie sich versieht, landet sie im Irrenhaus. Diagnose Depression. Die acht Wochen in einer psychosomatischen Klinik kann die Autorin so genau beschreiben, weil sie sie erlebt hat. Mit der Journalistin Ines Hitzemann hat Eva Lohmann über das Buch gesprochen:
"Facebook ist Schuld", sagt Eva Lohmann und beschreibt, wie sie auf den ungewöhnlichen Titel ihres Buches gekommen ist. Sie habe überlegt, was man posten könnte, wenn man in eine psychosomatische Klinik kommt. Immerhin sei man dort mit sich selbst beschäftigt und könne nicht ständig etwas Neues in seinem Netzwerk schreiben. "Ich habe nach einer lustigen Variante gesucht, die den Klinikaufenthalt humorvoll beschreibt, ohne ihn lächerlich zu machen. Denn das ist er sicher nicht", so Lohmann.
Mit dem Thema Depression in die Öffentlichkeit ist ein gewagter Schritt. Doch viel gedacht habe sie sich zunächst nicht, erinnert sich die 30-Jährige. Sie habe ihr Tagebuch geordnet, einige Seiten ausgedruckt und an Journalisten verschickt, um eine Meinung zu hören. Von dort aus seien die Seiten dann an den Verlag weitergegeben und der kam am Ende auf Lohmann zu. "Das Thema ist wichtig und bekommt immer mehr Raum." "Acht Wochen verrückt" liest sich wie ein Roman, kurzweilig, an einigen Stellen muss man schmunzeln. Doch so ein ernstes Thema hätten andere vielleicht in ein Sachbuch gesteckt. "Die Art, wie ich mein Leben sehe, passt besser in die Romanform," sagt Lohmann über ihr Mittel der Wahl. Die Grundlage des Buches seien ihre Erlebnisse, die sie bereits im Tagebuch aufgeschrieben habe. Dabei habe sie nie daran gedacht, mal einen Roman zu schreiben. Eva Lohmann ist zwar gelernte Werbetexterin, aber ein so großes Projekt wäre sie nicht angegangen. Das Buch verkauft sich blendend, die Menschen lesen es gern.
Während ihres Klinikaufenthaltes hat Eva Lohmann ihren alten Job gekündigt. "Alles ist anders", sagt sie über ihr neues Leben. Sie habe sich selbstständig gemacht. Doch das Buch nimmt derzeit noch viel Zeit in Anspruch. Nach einer kleinen Lesetour ist sie derzeit gern gesehener Gast in Talkshows und in Redaktionen. "Viele Menschen sind beziehungsweise waren selbst davon betroffen oder kennen jemanden, der mit Depression leben muss." Eva Lohmann wünscht sich von der Gesellschaft mehr Offenheit im Umgang mit Depression. "Ich selbst bin sehr offen damit umgegangen und damit haben sich auch andere Menschen geöffnet." Ein recht ungezwungener Umgang sei dann möglich. Insgesamt müsse das Thema Depression mehr auf die Tagesordnung, weil es immer mehr Betroffene werden. Arbeitgeber beispielsweise müssten sich damit auseinandersetzen. Der Umgang mit dem Mitarbeitern solle überdacht werden. "Es wäre großartig, wenn die Gesellschaft mit psychosomatisch erkrankten Menschen so umginge, dass die Klinik überflüssig werden. Es ist noch immer ein Tabu, in eine Klinik zu gehen und sich helfen zu lassen", so Lohmann. Foto:ih