1. "Gesundheitsmanagement im Betrieb": Gute Erfahrungen, aber keine Mittel verfügbar

    Grüne wollen mehr Geld für Prävention / Abgeordnete zu Besuch bei riha-Wesergold

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    EXTEN (km). Mit ihrem Motto "Grün macht gesünder" wollen die Grünen sich dafür einsetzen, dass im Gesundheitsbereich mehr Geld für Prophylaxe bereit gestellt wird. Besonders im betrieblichen Bereich gibt es offenbar erhebliche Defizite, wie die Bundestagsabgeordnete Maria Klein-Schmeink, Sprecherin für Prävention und Patientenrechte, und Ursula Helmhold, die gesundheitspolitische Sprecherin ihrer Landtagsfraktion, unisono feststellten.

    Um "Gesundheitsmanagement im Betrieb" ging es am vergangenen Freitag bei einem Pressegespräch, als die Politikerinnen bei riha Wesergold in Exten zu Gast waren - und ihnen Firmenchef Richard Hartinger persönlich detailliert über entsprechende Erfahrungen berichten konnte. Der Extener Getränke-Hersteller hatte 1997 einen Kooperationsvertrag mit der AOK geschlossen, der über zehn Jahre lang währte - mit dem Ziel der "Implementierung umfassender betrieblicher Gesundheitsförderung zur Erlangung der prospektiven Beitragsermäßigung im Rahmen der qualitätsorientieren Bonusregelung".

    Was auf dem Papier etwas schwerfällig daher kam, konnte sich in der Praxis indessen eindeutig bewähren, wie die riha-Geschäftsleitung und die AOK nach zehn Jahren gemeinsam feststellten: Die Anzahl der Unfälle etwa konnte erheblich reduziert werden - und der Beitrag der bei der AOK versicherten Mitarbeiter um fast ein Prozent gesenkt werden.

    Zu den verbesserten Sicherheitsbedingungen hatten diverse Maßnahmen beigetragen: Die Bildung von drei abteilungsübergreifenden Gesundheitszirkeln, Gefährdungsanalyen und Arbeitsplatz-Begehungen im Bereich Lager sowie unter anderem die Automatisierung im Umpackfeld. Zu den weiteren flankierenden Maßnahmen zählten die Optimierung der Sicherheitskleidung, die Einrichtung eines Fitness-Raumes, der von lizensierten Sportlehrern betreut wurde, oder Aktionen gegen Stolper-, Rutsch- und Sturzunfälle.

    Auch nach Befragungen der Mitarbeiter über ihre Zufriedenheit am Arbeitsplatz gab es Konsequenzen, zum Beispiel bei der Gestaltung der Arbeitszeit. Dazu Richard Hartinger: "Je zufriedener die Mitarbeiter sind, desto seltener werden sie krank."

    Und das ist auch einer der Ansatzpunkte der beiden Grünen-Politikerinnen, die zuvor einige Gesundheits- und Pflegeprojekte besucht hatten, um über Probleme, Chancen und Herausforderungen im Gesundheitsbereich zu diskutieren.

    Besonders beeindruckt zeigten sich Ursula Helmhold und Maria Klein-Schmeink bei einem Besuch der "Unabhängigen Patientenberatung Deutschland" (UPD) in Hannover. 22 UPD-Stellen gibt es im gesamten Bundesgebiet - uns aller sind neutral, unabhängig und kostenfrei für jedermann.

    Die Grünen wollen jetzt im Bundestag eine gesetzliche Grundlage für Prävention und Gesundheitsförderung schaffen und haben ein- "Gesamtkonzept für nationale Strategie" vorgelegt. Und Maria Klein-Schmeink hatte in dem Zusammenhang einige aussagekräftige Zahlen parat: Nämlich dass für Gesundheitsförderung zum Beispiel nicht mehr als 2,3 Prozent der Kosten aufgewendet werden, die für die Behandlung von Krankheiten anfallen.

    Besonders für Prävention auf betrieblicher Basis wollen sich die Grünen weiterhin stark machen. Warum es dafür in der Politik allerdings nur eine eher wackelige Basis gibt, das konnte Ursula Helmhold am Ende klar machen: Für prophylaktische Maßnahmen und Konzepte gebe es einfach keine Lobby, weil dabei kaum Industrie involviert sei - und es deshalb nichts zu verdienen gebe. Und auf die Frage, ob riha Wesergold eventuell bereit wäre, das Gesundheitsmanagement am Arbeitsplatz aus eigener Tasche zu finanzieren und fortzusetzen, da externe Mittel nicht mehr zur Verfügung stehen, schüttelte Unternehmer Richard Hartinger den Kopf und stellte fest: "Wir brauchen immer ein Äquivalent." Foto: km

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