RINTELN (ste). Es war ein ungewohntes Bild in der St. Nikolai-Kirche, denn die Sitzreihen saßen voll mit jungen Menschen, die sich anlässlich des Buß- und Bettages auf eigenen Wunsch statt in den Unterricht in die Kirche setzen konnten. Dort hatte die Klasse FSS 22 der Berufsbildenden Schulen zusammen mit Pastor Helmut Syske einen Gottesdienst der besonderen Art zusammengestellt.
Frisch, jung, modern, zeitgemäße Themen und Sprache kennzeichneten den Gottesdienst, zu dem alle Rintelner Schulen um 11.55 Uhr eingeladen waren. Doch während viele unterschiedliche Schulformen das Angebot annahmen, glänzte das Rintelner Gymnasium zum Ärger von Syska mit Abwesenheit. Was die Schüler verpassten, können sie zwar hier und jetzt nachlesen, doch "live" und unter der Überschrift "Gier Macht Krieg" waren die Aktionen in der Kirche noch um Längen besser.
Fangen wir mit den Liedern an. Die hatten keine alten Zöpfe und eine schwierige Kirchensprache, sondern kamen gerade heraus aus den vielen Kehlen des zusammengestellten Chores und der Kirchengemeinde. Sie stellten sich - wie der gesamte Gottesdienst - ebenfalls unter das Thema des friedvollen Zusammenlebens und der Solidarität der Menschen untereinander.
Kommen wir zu den Bibeltexten. Die wurden unter anderem aus der Volksbibel von den Jugendlichen der FSS 22 vorgetragen. Ihre bildlichen Vergleiche waren leicht nachvollziehbar: "Menschen haben viel gelernt, doch nicht ihre Zunge unter Kontrolle zu halten. Aus einem Wasserhahn kommt doch auch nur reines Trinkwasser und kein Abwasser. Das ist nicht Gottes Wille", war eine der Botschaften. Themen wie Umweltschutz, Atomkraft, soziale Gerechtigkeit, Wünsche nach Frieden, Appelle gegen Krieg, Kampf um Rohstoffe und alles untermalt mit moderner Musik machten die Kernaussagen für alle leicht verständlich.
Kommen wir zur Predigt. Die hielt Superintendent Andreas Kühne-Glaser. Und auch er hielt sich an die Maxime einer leicht verständlichen Sprache mit Themen dieser Zeit.
Spekulationen an den Getreidebörsen verursachten Hunger und sogar Krieg: "Und auch unter uns ist vor der Gier niemand gewappnet" gab er den jungen Menschen mit auf den Weg, die die Probleme möglicherweise nur bei den Börsianern in Nadelstreifen sahen. Doch Gier, so Kühne-Glaser, sei - anders als Sexualität - niemals zu befriedigen: "Dabei geht die Seele den Bach herunter!" Das Leben beginne nicht erst, wenn eine finanzielle Absicherung erreicht sei: "Dann ist es manchmal schon zu spät und die Lizenz zum Leben wird entzogen!" Und die Moral: "Verwechsle nicht Besitz und Geld mit Leben!"
Kommen wir zum Gebet. Auf moderne Art und Weise wird im Zwiegespräch mit Gott das "Vater unser" analysiert, bevor es nach dem Gottesdienst ins Freie ging, wo vier weiße Friedenstauben auf den Weg geschickt wurden. Eine für den Vater, eine für den Sohn, eine für den Heiligen Geist und eine für uns alle!
Übrigens: Die drei jungen Männer, die sich mit respektlosen Zwischenrufen Gehör verschaffen wollten, fanden keine Anerkennung bei der großen Gruppe derjenigen, die großen Applaus für die hervorragende Gestaltung des Gottesdienstes den Organisatoren zollte.
Foto: ste