1. Schiefertafel statt Gameboy

    So war es früher in der Schule / Kinder stellen Projekt vor

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    OBERNWÖHREN (jo). Vor hundert Jahren war noch alles anders. Da hingen in den meisten Klassenräume Jesuskreuze, Disziplin und Gehorsam standen auf der Tagesordnung. Und dann gab es da noch so einen kleinen, aber dafür umso unangenehmeren Nebeneffekt: Schulpflicht an den Samstagen. Kein Wunder, dass die Schüler der Klasse 3 A froh sind, dass sie heute zur Schule gehen und nicht im letzten Jahrhundert. Um den Kindern den strengen Schulalltag vergangener Tage trotzdem auf erfreuliche Art und Weise näherbringen zu können, führte Referendarin Julia Birnbaum kürzlich gemeinsam mit den Grundschülern eine Ausstellung zum Thema "Schule früher" vor. "Wir haben das Projekt im Rahmen meiner Examensarbeit im Sachkundeunterricht ausgearbeitet", erklärte die zukünftige Lehrerin stolz, "Insgesamt war das für die Schüler eine sehr anspruchsvolle Aufgabe, denn sie mussten sich im Vorfeld ganz genau überlegen, welche Themen spannend und vor allem auch informativ sind." Auch das Vortragen vor einer größeren Gruppe verlangte den Kindern so einiges an Selbstbewusstsein ab: "Die Schüler mussten sich zunächst einmal selbst überwinden und dann im Laufe der Zeit gewisse Sicherheiten entwickeln." Kein Wunder, dass die Aufregung bei den Acht- bis Neunjährigen da umso größer war. Bereits seit Ende September hatten die Kinder die wichtigsten Fakten selbst recherchiert, in ordentlicher Schrift Texte auf bunte Pappplakaten geschrieben und aussagekräftige Bilder dazugeklebt. Zwischen Schiefertafeln, hölzernen Pulten und ausgestopften Hamstern erklärten sie ihren Mitschülern der beiden vierten Klassen, dass vor einhundert Jahren noch Heimatkunde auf dem Stundenplan stand und dass die Schulen auch im Winter ohne wärmende Heizung auskommen mussten. Den hölzerne Griffelkasten, den ein Mädchen demonstrativ durch die Schülerschaft reichte, konnten die meisten von ihnen zunächst nicht zuordnen. Die alte Schultasche aus Leder hingegen erkannten sie sofort. Julia Birnbaum freute sich gemeinsam mit ihren Zöglingen über den Erfolg des Projektes: "Es ist einfach schön zu sehen, wie stolz die Kinder auf ihre eigenen Arbeiten sind."Nach den Gruppenvorträgen konnten sich alle Grundschüler gemeinsam an der veralteten Sütterlinschrift versuchen. "So zu schreiben ist aber ziemlich schwierig", stellte die neunjährige Hermine mit einigem Erstaunen fest. Und auch der um ein Jahr jüngere Lorenz war sichtlich froh, dass er heute und nicht damals in die Schule gehen musste: "Besonders blöd war bestimmt, dass man damals immer so einen langen Schulweg hatte. Schließlich gab es vor hundert Jahren ja auch noch keine Fahrräder."

    Foto: jo

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