KRAINHAGEN (em). "Halt, stopp, ich will das nicht", ruft die kleine Chiara in Richtung von Karsten Hilker. Sie streckt selbstbewusst ihre Hand nach vorne, um den Trainer von sich fern zu halten. Der spielt den "Blödmann vom Schulhof", will ihr Pausenbrot ergattern. Bei den Trainern Hilker, Multiplikator im Justizvollzug für Berufsspezifische Konfliktbewältigung und Selbstverteidigung und Michael Wehmann können Kinder im Alter von 6 bis 16 Jahren an einem Workshop in teilnehmen.
Sie sollen lernen, sich selbst zu behaupten und in Gefahrensituationen richtig zu reagieren. Beide Ausbilder sind im Justizvollzug tätig und haben bei ihrer Arbeit in der Jugendanstalt Hameln oft mit jugendlichen Gewalttätern zu tun. Die Beamten kennen den Ton, der immer öfter unter Kindern und Jugendlichen im Alltag herrscht. "Darum ist wichtig, dass Kinder sagen, was sie wollen und was nicht", sagt Wehmann. Den Workshop "Kinder stark machen", bietet der Stürmer des FC Springe nebenberuflich erstmals in Krainhagen an - für viele Eltern Gelegenheit, ihren Nachwuchs in der schulfreien Zeit am Wochenende sinnvoll zu beschäftigen. Die Mädchen und Jungen tanken etappenweise Selbstbewusstsein: Sie lernen, sich mit einer deutlichen Aussprache und klaren Worten Respekt zu verschaffen. Sie nehmen eine Körperhaltung an, die ihren Willen anderen gegenüber deutlich macht. Als letztes Mittel sollen die Schüler lernen, wie sie beispielsweise eine Hand weg schlagen, die nach ihnen greift - und sie sollen einschätzen können, wann eine Situation für sie eine Gefahr darstellt.
Ganz wichtig sind dafür die Regeln, die die Workshop-Teilnehmer gemeinsam mit den Trainern erarbeitet und an große Tafeln schreiben. Regelmäßige Pausen und Entspannungsübungen sollen helfen, dass die Kinder wieder "runterkommen". Hilker und Wehmann bieten zusätzlich einen Selbstverteidigungs-Kurs für Frauen an. Hierbei wird erlernt, Gefahrensituationen vernünftig einzuschätzen. Es erleichtert zukünftig die Entscheidung, ob es sinnvoller ist, direkt einzugreifen oder die Polizei zu informieren. Die Frauen erlernen durch diese Erweiterung der Kenntnis schlicht und einfach besser und angemessener helfen zu können. Ein weiterer positiver Effekt ist, dass durch eine Schulung der Selbstverteidigungsfähigkeit die Wahrscheinlichkeit, selbst Opfer zu werden, sinkt. Die Erfahrung zeigt, dass Personen, die einen selbstsicheren Eindruck machen, seltener Opfer eines Gewaltverbrechens werden als andere. Sollte es jedoch trotzdem zu einer Notwehrsituation kommen, so hat diese Person realistische Chancen, unbeschadet aus der Situation herauszukommen. Der Workshop "Kinder stark machen" fand bereits in der Vereinshalle des TSV statt.
Der Workshop "Selbstverteidigung für Frauen" findet am 12. und 19. November zur gleichen Zeit statt. Mitglieder bezahlen für den Workshop 49 Euro, für Nichtmitglieder werden 69 Euro berechnet.
Da die Teilnahmeplätze begrenzt sind ist eine verbindliche Anmeldung unter 05724/902421 beim 1. Vorsitzenden Heiko Heinz erforderlich.