RINTELN (km). Als "vollen Erfolg" konnte Albrecht Schäffer vom Kinderschutzbund den Vortrag über die Arbeit der "Familienpaten" aus Bünde verbuchen. Alle Stühle im Vortragsraum der Volkshochschule waren besetzt, und die Berichte der beiden Referentinnen vermittelten wichtige Einblicke in die ehrenamtliche Unterstützung von Familien mit kleinen Kindern.
Das Publikum war dabei durchaus bunt gemischt: Männer und Frauen, Deutsche und Bürger mit Migrationshintergrund. Und alle Teilnehmer interessierten sich für die ehrenamtliche Tätigkeit als Familienpate oder als Integrationslotse.
Annette Hartwig vom Kinderschutzbund schilderte in ihrem Vortrag, wie das Unterstützungs-angebot im ostwestfälischen Bünde ab dem Jahr 2006 kontinuierlich aufgebaut worden sei. Als verantwortliche Projektleiterin habe sie das Konzept erarbeitet und Ehrenamtliche für die Begleitung gesucht. Die seien vom Jugendamt geschult und dann vom Kinderschutzbund an Familien oder Alleinerziehende in Bünde vermittelt worden. Im vergangenen Jahr seien insgesamt 17 Familien wöchentlich besucht und in ihrem Alltag entlastet worden.
Nicole Lübeck, Familienpatin der ersten Stunde, berichtete von ihren Erfahrungen in ganz unterschiedlichen Familien. Bei ihrem ersten Einsatz habe sie ein junges Paar mit drei Kindern begleitet, die im Familienalltag überfordert gewesen seien. Einerseits war sie eine wichtige Ansprechpartnerin und Vertrauensperson für die gerade einmal 19 Jahre alten Eltern und führte mit den beiden Gespräche zum Beispiel über die Erziehung der Kinder. Andererseits kümmerte sie sich bei ihren Besuchen um die Kleinen und ermöglichte den Eltern dadurch eine Ruhepause, in der sie neue Kräfte tanken konnten. "Am Anfang lief es gut und in der Familie zeichneten sich gute Fortschritte ab," so die Familienpatin. "Zu wissen, dass sie regelmäßig eine Auszeit pro Woche haben, das tut den Eltern richtig gut." Nachdem das Paar sich aber zerstritten und getrennt habe, sei die junge Mutter mit den Herausforderungen des Familienalltags nicht mehr fertig geworden und habe sich schließlich professionelle Hilfe vom Jugendamt geholt. Nicole Lübeck bewertet diese Erfahrung im Nachhinein so: "Mir ist dadurch bewusst geworden, dass man nicht immer all das erreichen kann, was man sich im Kontakt mit einer Familie wünscht. Ich bin dadurch ein Stück gelassener geworden bei der Begleitung von Familien."
Auf Nachfrage aus dem Publikum bestätigte die Familienpatin aus Bünde, dass sie ihre ehrenamtliche Tätigkeit auch für sich persönlich als Bereicherung empfinde. Es sei nicht immer einfach, aber es tue gut, zu spüren, wie sich die Kinder auf den regelmäßigen Besuch freuten. Und der eigene Horizont werde durch die gemachten Erfahrungen erweitert. Albrecht Schäffer stellte im Anschluss an die Erfahrungsberichte aus Bünde das Konzept für die Rintelner Schulungsreihe vor, mit der ab dem dritten November neue Familienpaten und -paten sowie Integrationslotsen für Familien in Rinteln und Umgebung qualifiziert werden sollen. Selvi Arslan-Dolma, Rechtsanwältin aus Stadthagen und eine der Referentinnen für diese Schulung, erläuterte die Arbeitsweise in der Schulung sowie einige Themen-Schwerpunkte. Sie machte insbesondere den Interessierten mit Migrationshintergrund Mut, an der Qualifizierung teilzunehmen. Wer sich tiefer gehend über das Familienpaten-Projekt und die anstehende Schulung informieren möchte, kann sich montags bis freitags von zehn bis 14 Uhr unter der Telefonnummer 05751/965218 bei Albrecht Schäffer melden. Informationen gibt es auch im Internet unter der Adresse "www.kinderschutzbund-rinteln.de".
Der Kinderschutzbund hatte das Familienpaten-Projekt im September 2008 gestartet. Gegenwärtig werden 25 Rintelner Familien mit bis zu vier Kindern regelmäßig besucht und betreut. Das Angebot für die Familien ist freiwillig und dank der finanziellen Unterstützung aus öffentlichen Mitteln kostenlos. Als eine Form der "Frühen Hilfen" soll mit dem Familienpaten-Projekt auf dem Wege frühzeitiger, niederschwelliger Unterstützung erreicht werden, dass Eltern im Familienalltag unterstützt werden und ihre Kinder eine verlässliche Bezugsperson erhalten. Hinter dem Ansatz steht die Erfahrung, dass Versäumnisse in den frühen Kindheitsjahren später nur schwer wieder aufgeholt werden können.