RINTELN (km). Ein Hauch von Philosophie, ein bisschen Lyrik - und schließlich richtige Power: Das war die "Melange", die am Donnerstagabend rund 450 Zuhörer von den Sitzen riss. Unter dem Motto "timeless" sorgte das Nils-Landgren-Quartett im Brückentorsaal für eine Stimmung - die den Frank-Zappa-Spruch "jazz is not dead, it just smells funny" praktisch ad adsurdum führte. Das Auditorium im Alter zwischen zwölf und 85 Jahren tobte am Ende regelrecht und gab sich erst nach drei Zugaben zufrieden.
Im Rahmen der von der Sparkasse inszenierten Niedersächsischen Musiktage lieferten der schwedische Posaunist und Sänger und seine hochkarätige Band ein Programm ab, das Jung und Alt gleichermaßen elektrisierte und immer wieder zu "standig ovations" nötigte. Zwischen den poetischen Pianissimo-Passagen sorgten sowohl Landgren mit seiner roten Yamaha-Posaune als auch Tasten-Akrobat Michael Wollny für virtuose Highligts, die vom Publikum mit nachhaltigem Zwischenapplaus quittiert wurden. Für den perfekten Background sorgten mit Lars Danielssen (Bass) und Rasmus Kihlberg (Schlagzeug) zwei Musiker, die zur "Champions-League" der internationalen Jazz-Szene gerechnet werden dürfen.
Unter dem Motto "Timeless" intonierte die Band ein Programm, das die neue Landgren-CD unter dem Titel "The Moon, The Stars And You" in einer Mischung von traditionellem Jazz und innovativen Arrangements präsentierte. "Stars In Your Eyes" etwa - da hätte sogar Schöpfer Herbie Hancock über die Tasten-Akrobatik des erst 33-jährigen deutschen Shooting-Stars Michael Wollny am Steinway-Flügel gestaunt. Zu den perfekt durchgestylten thematischen Variationen zählten unter anderem der Evergreen "Moon River", der Sting-Song "Fragile" - oder sogar ein eher profane Pop-Song wie "Moonlight Shadow". Beim Titel "Masquerade" wussten viel Landgren-Fans schon vorher, was sie erwartet: Ein nachgerade aberwitziges Posaunen-Solo, das seinesgleichen sucht. Zur guten Stimmung trug neben den musikalischen Spitzenleistungen am Ende aber auch die liebenswerte Art der Interpreten bei. Man sei zwar noch nie in Rinteln gewesen, konzedierte Landgren - aber es sei wirklich "sehr nett hier". Am liebsten hätte der sympathische Schwede das Publikum in der Pause "umarmt und geküsst" und schließlich alle mit auf die Bühne genommen - was aber aus "logistischen" Gründen wohl nicht gepasst hätte.
Besonders bemerkenswert war auch die Tatsache, dass das Quartett in Rinteln tatsächlich zum ersten Mal in der Besetzung mit Michael Wollny spielte. Am Ende waren alle Zuhörer aus dem Häuschen - von Bürgermeister Karl-Heinz Buchholz und den Repräsentanten der Sparkasse in der ersten Reihe bis hin zu ganz jungen Posaunen-Schülern, die Teile ihrer Instrumente mitgebracht hatten, um die von Nils Landgren signieren zu lassen. Foto: km