BAD NENNDORF (pd). Die Debatte nahm einige Zeit in Anspruch, die abschließende Entscheidung im Rat fiel knapp aus: Mit elf Ja- und zehn Nein-Stimmen hat die Politik entschieden, die Grabstelle der umstrittenen ostpreußischen Dichterin Agnes Miegel auf dem Bad Nenndorfer Friedhof auch über die reguläre Liegezeit hinaus zu erhalten. Die Kosten für die Pflege des Grabes soll die Stadt übernehmen. Der Vorstoß zu dieser Entscheidung kam in Form eines Antrages der CDU-Fraktion.
Die Liegezeit für das Miegel-Grab ist bereits 2010 ausgelaufen, daher war eine Neureglung notwendig geworden.
Die CDU ist der Auffassung, dass die Grabstelle auf Dauer erhalten bleiben müsse. Wie die CDU weiter in ihrem Antrag begründet, sei Agnes Miegel als Dichterin unumstritten und daher müsse ihre letzte Ruhestätte auch aus kulturhistorischer Sicht erhalten bleiben.
Sie habe den verbrecherischen Charakter des NS-Regimes zu lange nicht erkannt. Und diesen Irrtum mit dem dauernden Verlust der Heimat, einer gefährlichen Flucht und einer Internierung in Dänemark "bitter bezahlen müssen".
Wegen dieses Schicksals, dass sie mit dem vieler Flüchtlinge und Vertriebenen aus den ehemaligen Ostgebieten teilen musste, sei sie zu einer Symbolfigur für viele Deutsche geworden.
"Diese Gefühle sollte Bad Nenndorf nicht verletzen", forderte Fraktionssprecher Friedhelm Brandes.
Die von Kritikern geäußerten Befürchtungen, das Grab von Agnes Miegel könne in der Zukunft als weitere "Wallfahrtsstätte" für Neonazi-Aufmärsche missbraucht werden, nannte die CDU in ihrem Antrag "unredlich".
Die SPD sah das anders. SPD-Fraktionssprecher Volker Busse sprach sich dafür aus, dass die Agnes-Miegel-Gesellschaft die Kosten für das Grab übernimmt. "Eine so unumstrittene Dichterin ist Agnes Miegel nicht gewesen", stellte Busse fest.
Zumindest nach 1945 hätte sie sich von der NS-Zeit distanzieren müssen.
Das sei nicht geschehen. Andreas Fedler (FDP) warnte davor, noch weiter die Vergangenheit der Dichterin ins Spiel zu bringen. "Sonst haben wir hier noch ein zweites Wincklerbad".
Die Wählergemeinschaft Nenndorf (WGN) hatte eine andere Sicht der Dinge und sprach sich für den CDU-Antrag aus. Miegel sei Ehrenbürgerin gewesen und ihre Werke hätten einen hohen historischen und literarischen Wert, konstatierte WGN-Sprecher Frank Steen. "Und diese Leistung möchte ich als Ratsherr gewürdigt wissen", führte er weiter aus.