1. Das Loch in der Mauer könnte schon im Herbst mit dem Gingkozweig gefüllt werden

    Fachjury kürt Sandra Schauers "Ginkgozweig" zur Nummer eins / Aus einem Unglück wird eine spannende Idee

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    EXTEN (km). Den Ideenwettbewerb "Goethestein" hätte es sicherlich nicht gegeben, wenn ein Sturm im vergangenen Mai nicht eine Eiche im Orangerie-Park umgepustet hätte: Der Baum fiel über die Mauer in Richtung Straße, und seitdem klafft dort eine Lücke im Gestein. "Dies ist der Park durch den schon Goethe wandelte," kombinierte Hausherr Dietrich von Blomberg - und beschloss, eine Idee für ein thematisch angelehntes Kunstobjekt zu suchen, das in die Öffnung der Parkmauer passt.

    Sieben Künstler hatten sich mit recht originellen Entwürfe an der Aktion beteiligt, und am letzten Sonntag kürte eine unabhängige Jury im Rahmen des "Jardin ouvert" den Sieger. Zu den kompetenten Bewertern aus unterschiedlichen Metiers zählten ein Wissenschaftler, ein Hochschul-Präsident, ein BILD-Redakteur, eine tschechische Sportlerin, eine Unternehmerin sowie ein leitendes Mitglied der Stadtverwaltung.

    Nach über einstündiger Beratung im Palmensaal stand das Urteil schließlich fest: Sieg für den "Ginkgozweig" von Sandra Schauer aus Krankenhagen, aber auch Anerkennung für den Entwurf "Herr Goethe steht in der Exter" von Tanja von Triller aus Stadthagen.

    Sandra Schauer schrieb zu ihrem Konzept: "Der Gingko ist untrennbar mit Goethe verbunden, der ein passionierter Gärtner und Pflanzenliebhaber war. Er verfasste botanische Studien und legte einige Parks und Gärten an. Er interessierte sich für Park- und Gartenarchitektur und war fasziniert von dem Ginkgo - und das nicht nur aus botanischer Sicht. Die einzigartige Form des Ginkgoblattes inspirierte ihn künstlerisch und wurde für ihn zum Sinnbild für Freundschaft und Zuneigung..."

    Freundschaft und Zuneigung waren auch der Grund für seine Besuche auf dem Rittergut Exten im Jahre 1779. Hier lebte als junge Witwe die Gräfin Isabel von Wartensleben, mit der er durch den abendlichen Gutspark wandelte. Jahre später schrieb er das berühmte Gedicht "Ginkgo biloba", eines der schönsten Liebesgedichte der deutschen Literaturgeschichte.

    Trotz aller Historie kommt der Siegerentwurf von Sandra Schauer sehr modern daher: ein purpurroter gebogener Ginkgozweig aus Stahl, der sich um die Rundung der imaginären Eiche windet und so die Mauerlücke schließt. Durch die Öffnungen des Stahlobjektes kann man wie durch das Blattwerk der gestürzten Eiche in den Park blicken. Tanja von Triller dagegen hat gegenständlich gearbeitet, aber kühn gedacht: Sie stellte den Dichterfürsten einfach in die Exter, mit beiden Beinen im Wasser - und in einer unnachahmlichen Pose. Dazu Dietrich von Blomberg: "Wir wissen, dass Goethe die Exter sehr genau beobachtet hat, er hielt sie sogar auf einer Zeichnung fest." Das Original der Zeichnung hängt heute im Museum für bildende Künste in Leipzig, eine Kopie in der Extener Heimatstube. -

    Initiator Dietrich von Blomberg will schon bald die Realisierung des Objektes in Angriff zu nehmen: "Ich lasse bereits die Baukosten ermitteln, und vielleicht fangen wir noch in diesem Herbst an."

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