RINTELN (ste). Die Landsmannschaft der Ostpreußen, Westpreußen und Danziger hat jetzt im Hotel Stadt Kassel ihren 60. Geburtstag gefeiert. Vorsitzender Ralf-Peter Wunderlich machte deutlich, dass es zwar kein "echtes Jubiläum" ist: "Doch wir müssen feiern, so lange es uns noch gibt."
Der Rintelner Verein ist lange Zeit von Frauen wie Frau Runau, Frau Meier und Frau Winter geführt worden und seit zehn Jahren hat Ralf-Peter Wunderlich den Vorsitz. 2001 stellte sich bereits erstmals die Frage der Auflösung, nachdem nur noch wenige Mitglieder an den regelmäßigen Treffen teilnahmen. Waren es in den 70er Jahren noch 95 Mitglieder, so reduzierte sich die Zahl auf nunmehr 35. "Weitere 60 Jahre werden wir es wohl nicht schaffen", stellte Wunderlich bei der Jubiläumsfeier daher nüchtern fest. Die Zahlen sprechen auch deutschlandweit gegen eine ausgeprägte Zukunft der Landsmannschaften. Von den ehemals zehn Millionen Vertriebenen, die auch politisch gesehen eine echte Macht darstellten, sind mittlerweile nur noch zwei Millionen übrig geblieben. Hatte man früher auf Wahlversprechen von Parteien wie "Dreigeteilt - Niemals!" oder "Verzicht ist Verrat" vertraut, so ist man heute realistischer in seiner Einschätzung der ehemals deutschen Ostgebiete. Wunderlichs Bericht vom "Deutschlandtreffen der Ostpreußen" in Erfurt zeigte daher auch eine eher nüchterne Bilanz: "Als wir noch mit 140.000 Besuchern bei den Deutschlandtreffen aufliefen, da waren wir noch wer!", so Wunderlich. Vor sechs Jahren waren es dann noch knapp 40.000 Besucher, 2010 noch 15.000 und in diesem Jahr in Erfurt weniger als 5.000 Besucher beim Deutschlandtreffen: "Unsere Zukunft liegt bereits hinter uns", stellte der Vorsitzende daher fest, der auch die Ignoranz der Politik kritisierte: "Der Erfurter Oberbürgermeister reagierte nicht einmal auf die Einladung und auch aus der thüringischen Landesregierung war niemand da." Für die Politik seien die Vertriebenen einfach uninteressant geworden. Heftige Kritik übten die Rintelner Vereinsmitglieder auch an Außenminister Guido Westerwelle. Der hatte am 9. Mai dieses Jahres in Königsberg einen Kranz im Namen Deutschlands am Ehrenmal der gefallenen russischen Soldaten niedergelegt, jedoch keinen für die deutschen Soldaten. "Die Landsmannschaften werden nur noch als lästige Erinnerer empfunden", so Wunderlich, der diese Haltung scharf kritisierte: "Was sind wir in diesem Land für Demokraten, wenn wir andere Meinungen nicht ertragen?" Dabei stehe für die "Bekennergeneration" heute - mehr als noch für die Generation derjenigen, die die Vertreibung erlebten - fest, dass man gerne einmal zu Besuch in der ehemaligen Heimat sei, dort jedoch nicht mehr leben möchte. Wer mehr Informationen zu den regelmäßig stattfindenden Treffen und zur landsmannschaftlichen Arbeit in Rinteln haben möchte, der kann sich bei Ralf-Peter Wunderlich unter 05751/3071 oder Joachim Rebuschat unter 05751/5386 melden.Foto: ste