STADTHAGEN (jl). Die Enttäuschung stand ihnen auf die Stirn geschrieben. Das Stadthäger Familienzentrum ist seit mittlerweile drei Jahren in seiner Art etwas Besonderes: Die Stadt Stadthagen, die Schaumburger Kreisverbände der Arbeiterwohlfahrt (AWO) und des Kinderschutzbundes kooperieren und bündeln zahlreiche Angebote unter einem Dach. Ob dies auch in Zukunft so bleiben kann, ist noch ungewiss, hieß es jetzt nach einer Beiratssitzung in einem Pressegespräch.
Das Jahresbudget des Familienzentrums beträgt laut Bürgermeister Bernd Hellmann rund 168 000 Euro, die Stadt finanziert davon 100 000 Euro. Gefördert wird das Projekt mit Mitteln des niedersächsischen Sozialministeriums, das aber beschlossen hat, das Förderprogramm "Familien mit Zukunft" zum Ende des Jahres auslaufen zu lassen. Für das Stadthäger Familienzentrum bedeutet dies eine Kürzung der Landesmittel von 68 000 auf nur noch 4000 Euro jährlich. Oder anders ausgedrückt: Eine der beiden Vollzeitstellen würde damit wegfallen. Dann wäre eine Urlaubsvertretung nicht mehr denkbar, bei Krankheit müssten die Beratungen sogar ausfallen.
Ein Zustand, der niemandem behagen würde. "Das Familienzentrum ist keine Luftblase, es ist ein lebendiger Ort der Begegnung, der sich bewährt hat", sagte Georgia Hasse, Vorsitzende des Kinderschutzbundes Kreisverband Schaumburg.
Tatsächlich konnten infolge der Einrichtung der zwei Vollzeitstellen, die sich die sechs Beschäftigten der drei Träger teilen, neue niedrigschwellige Angebote für Eltern geschaffen werden. "Die Elternkurse sind jetzt noch ausdifferenzierter geworden, um zielgenau zu beraten und Lösungen zu suchen", sagte Koordinatorin Helga Freude. Es gebe etwa Kurse für Eltern mit Kindern bis zu drei Jahre, für Alleinerziehende oder zum Thema Pubertät. Die Lotsenfunktion des Familienzentrums stellte AWO-Geschäftsführerin Heidemarie Hanauska heraus und gab auch gleich ein Beispiel: Mütter und Väter, die einen Elternkurs besuchen, falle es leichter, auch in einer Krisensituation die Kursleitung vom Kinderschutzbund anzusprechen. Die Halbierung des Personals würde das besondere Konzept mit all diesen Ansätzen in weiten Teilen unmöglich machen, stimmten die Vertreter aller Träger überein.
Vor diesem Hintergrund habe die Stadt bereits "verständnisvolle Gespräche" mit dem Landkreis geführt, stellte Hellmann heraus. Die Kooperation verlaufe gut. "Zornig" seien die Träger allerdings darüber, wie Niedersachsens Sozialministerin Aygül Özkan auf eine Einladung, das Familienzentrum zu besuchen, reagiert habe. "Das Familienzentrum lebt bereits praktisch vor, was die Politik und die Ministerin theoretisch anpreisen", erklärte Freude den Grund der Einladung. Wie Hellmann berichtete, kam als Antwort nur ein "lapidares Schreiben" zurück, in dem auf die Einladung gar nicht eingegangen werde. Dafür werde aber festgehalten, dass mehr Geld nicht zur Verfügung stünde und abschließend kurz "viel Erfolg bei der Projektentwicklung" gewünscht. "Über diesen Stil sind wir tief enttäuscht und befremdet", sagte ein sichtlich verärgerter Bürgermeister. Die Träger wollen weiterhin im Gespräch mit dem Landkreis bleiben und gemeinsam nach Lösungen suchen, die Einrichtung fortführen zu können, versprach Hellmann. Nach einem finanziellen Ausgleich werde in alle Richtungen geschaut. "Wir stecken noch nicht auf." Mehr zum Thema in der nächsten Ausgabe.Foto: jl