BAD NENNDORF (pd). Alle Eltern hoffen, dass die eigenen Kinder so eine Situation nie erleben: Ein Auto hält neben einem kleinen Mädchen, knüpft freundlich den Kontakt und lockt die Kleine mit Süßigkeiten zum Einsteigen. Zum Glück ist diese Szene nur nachgestellt worden, doch die Reaktion des kleinen Mädchen ist nicht gespielt: Mit einem selbstbewussten "Nein" weist sie das Angebot des fremdes Mannes zurück und rennt laut schreiend davon. Gelernt hat sie dieses Verhalten im Verlauf eines Trainings unter dem Motto "Kinder stark machen" im VfL Dorado.
Diese Trainingseinheit ist in der Hauptsache gedacht für Jungen und Mädchen, die nach den Sommerferien eingeschult werden. Stattgefunden hat dieser Workshop des VfL Bad Nenndorf auf Initiative des Präventionsbeirates in Kooperation mit Deeskalationstrainerin Elisabeth Meyer-Engelke und der Bad Nenndorfer Polizei. Der Kontaktbeamte Ferdinand Viscocil beobachtete bei der "Generalprobe" der zukünftigen Erstklässler deren Reaktion auf den unbekannten Autofahrer, der sich vor dem VfL Dorado postiert hatte - natürlich und zum Glück nur zu Übungszwecken.
Wegrennen, laut schreien und energisches "Nein" sagen haben die Kinder unter anderem in dem fünf Wochen dauernden Kurs gelernt.
Sie wurden spielerisch, aber doch sehr authentisch, auf Alltagssituationen vorbereitet. Dazu gehörten auch "gespielte" Rempeleien oder Pöbeleien auf dem Schulhof.
Die Jungen und Mädchen haben gelernt, welche unterschiedlichen Formen der Gewalt es gibt und welche Handlungsmöglichkeiten bestehen, um sich Hilfe und Unterstützung zu suchen. "Sie sollen sich Verbündete suchen, Öffentlichkeit schaffen und sich selber schützen", so Meyer-Engelke. Die zukünftigen ABC-Schützen sollen wissen, dass sie sehr wohl etwas gegen größere und stärkere "Angreifer" unternehmen können.
Weiterhin wurden durch altersgerechte Übungen, die im Anschluss im Detektivbüro reflektiert wurden, das Selbstwertgefühl gestärkt und die unterschiedliche Wahrnehmung unter die Lupe genommen. Mit viel Spaß und Bewegung wurde trainiert, dass Kinder gemeinsam stark sind. "Mach dich nicht klein, weil die Welt sonst nichts von dir hat" lautete die Devise.
"Wichtig war dabei auch, dass die Eltern mit einbezogen wurden. Denn um Kinder in einem geschützten Rahmen groß werden zu lassen, bedarf es der Netzwerkarbeit und es ist wichtig, den Grundstein, der mit dem Training gelegt wurde, durch Wiederholung und Konkretisierung im Alltag des Kindes nachhaltig zu verankern", machte Meyer-Engelke zum Abschluss des Trainings deutlich. Foto: pd