BAD NENNDORF (pd). Die SPD Bad Nenndorf setzt sich für eine Abkehr vom Atomstrom ein. In einer Pressemitteilung informiert der Ortsverein über einen entsprechenden Antrag an den Rat der Stadt. Nach Worten von Volker Busse, Vorsitzender der SPD-Fraktion und des Ortsvereins, soll der Stadtrat sich eine Selbstverpflichtung auferlegen, zukünftig nur noch Strom zu kaufen, der nicht aus Atomkraftwerken stammt. Sowohl die städtischen Gebäude, aber auch die Straßenbeleuchtung, die zurzeit auf stromsparende Birnen umgestellt werden, sollen nach Auffassung der SPD ohne Atomstrom auskommen. Die Stadt soll per Antrag darüber hinaus an alle Firmen, Einrichtungen sowie Bürgerinnen und Bürger appellieren, ebenfalls auf eine atomstromfreie Energieversorgung umzustellen.
Darüber hinaus sollen alle Möglichkeiten genutzt werden, um den Stromverbrauch durch Effizienzsteigerungen, Einsparungen und energetische Sanierungen so weit wie irgend möglich zu verringern, heißt es weiter in dem Antrag, der in der nächsten öffentlichen Ratssitzung zur Abstimmung kommen soll. "Es müssen im öffentlichen wie im privaten Bereich alle Maßnahmen intensiviert werden, die der Einsparung von Energie dienen", wird ergänzt. Um die Energiewende auch vor Ort einzuläuten, müssen alle Akteure an einem Strang ziehen. Zu ihnen gehören laut SPD Kommunen, Versorger, Erzeuger, Forschungseinrichtungen, Organisationen sowie sämtliche Endverbraucher. Der Rat der Stadt Bad Nenndorf solle sich außerdem mit Nachdruck an die Landes- und Bundesregierung wenden, sich für den Ausbau und die Förderung erneuerbarer Energien einzusetzen. "Die Verwaltung berichtet dem Stadtrat in öffentlicher Sitzung in sechs Monaten über den aktuellen Sachstand", stellt sich die SPD vor.
Zur Begründung führt die SPD an, dass 25 Jahre nach Tschernobyl die aktuellen Ereignisse in Japan auf erschreckende und berückende Weise verdeutlicht haben, dass "die friedliche Nutzung von Kernenergie letztlich nicht beherrschbar ist, die Risiken unverantwortlich hoch bleiben und die Folgen von Störfällen verheerend sein können". Außerdem habe ein Vorfall im schwedischen Forsmark im Jahr 2006 gezeigt, dass ein Stromausfall und eine unglückliche Verkettung von Ereignissen die Kühlung eines Atomkraftwerkes lahmlegen können. Und die Folgen eines Erdbebens wie in Japan könnten in Deutschland durch einen Flugzeugabsturz ausgelöst werden. "Atomkraft ist nicht beherrschbar", bringen die Sozialdemokraten ihre Begründung auf den Punkt.
Der vollständige Ausstieg aus der Nutzung der Atomkraft zum Zwecke der Energieerzeugung müsse daher so schnell wie möglich erfolgen und die Versorgung auf regenerative Energiequellen umgestellt werden. Der Öffentlichen Hand käme dabei eine besondere Vorbildfunktion zu. Neben allen politischen Beschlüssen auf allen Ebenen sei das Ziel des vollständigen Ausstiegs am schnellsten dadurch zu erreichen, dass sich möglichst viele von der Nutzung von Energie abwenden, die ganz oder teilweise durch Atomkraft erzeugt wird. Sinkende Nachfrage werde die Energieerzeuger dazu zwingen, ihre Stromerzeugung auf ökologisch zukunftsfähige Formen umzustellen, heißt es weiter in dem Beschlussvorschlag. Es sei auch wichtig, alle Möglichkeiten zur Energieeinsparung und zum effizienten Einsatz von Energie zu nutzen.
Der SPD ist dabei bewusst, dass diese Selbstverpflichtung durch höhere Strompreise nicht kostenneutral sein wird. "Wir müssen aber als Vorbild auch für die Bad Nenndorfer Bevölkerung mit dem Ausstieg beginnen", wird Gudrun Olk, Bürgermeisterin von Bad Nenndorf, in der Pressemitteilung zitiert. Mit dem Antrag werden auch alle Bad Nenndorfer aufgefordert, diesem Beispiel zu folgen. Der Verwaltungsausschuss der Stadt wird sich am 25. Mai mit dem Antrag befassen.