1. Talente verändern sich stetig und sollen wachsen

    Kooperationsverbund fördert Begabungen intensiv

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    STADTHAGEN (wa). In der Grundschule war "Daniel" ein guter Schüler, in Mathe schrieb er eine Eins nach der anderen, genauso in Deutsch. Dann kommt er in die fünfte Klasse und wird plötzlich immer schlechter. "Daniel" stört den Unterricht, ist aggressiv gegenüber Lehrern und Mitschülern. Seine Noten landen im Keller. Alles nervt ihn. Jeder ist genervt von ihm.

    Eine Untersuchung auf ADHS, dem Aufmerksamkeitsdefizitssyndrom folgt nach mehreren schulpsychologischen Gesprächen. Doch der eigentliche Grund warum "Daniel" aufeinmal so anders ist, wird niemandem klar: Der Junge ist unterfordert und langweilt sich.

    Damit dies nicht mehr passiert, haben die Schulen, Kindergärten und Kindertagesstätten in Stadthagen und Wendthagen bereits vor zwei Jahren einen Kooperationsverbund zur Begabtenförderung geschlossen. Laut Kultusministerium war dieser Zusammenschluss derart groß, dass es seitens der Behörden keine Unterstützung geben sollte. Doch die beteiligten Einrichtungen waren sich schnell einig und stellten mehrere Pädagogen für eine Steuergruppe. Das gefiel den Zuständigen und dem Bezug von Landesmitteln stand nichts mehr im Wege. Insgesamt 25 Stunden bekommen die Verbundsmitglieder zur Verfügung gestellt, um die Talente der Kinder individuell zu fördern. Dabei geht es in erster Linie um ganzheitliche Förderung. Begabungen entdecken ohne dem Kind einen "Hochbegabungs-Stempel" aufzudrücken. Und das schulformübergreifend. Kindergartenkinder besuchen die Grundschule, Grundschüler besuchen die weiterführenden Schulen. Dadurch wird ihnen gleichzeitig die Angst vor dem "Neuen" genommen. Die Lehrer nehmen während des Unterrichts ihre Schulkinder genau unter die Lupe. Besonders selbstständige, lernfähige oder begabte Schützlinge kommen gemeinsam in eine Fördergruppe, in der sie ihren Anforderungen gerecht, zusätzlichen Input erhalten. Sowohl in der Sprache als auch in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Diese Arbeitsgemeinschaften finden einmal wöchtenlich eineinhalb Stunden in der eigenen Schule, im Kindergarten oder in der nächst höheren Schulform statt. Es geht dabei weniger um systemisches Lernen als um das Erforschen von Alltagsphänomenen. In den Gruppen der höheren Klassen lehren die älteren die jüngeren Schüler. Die zuständigen Lehrkräfte füllen jährlich einen Verhaltensbogen jedes Kindes aus und können so die Entwicklung durch die Fördermaßnahmen genau verfolgen und beurteilen. Der Mensch ist nicht von allein talentiert, es gelte die Begabungen festzustellen und intensiv zu fördern, so Petra Ammon von der Grundschule Am Sonnenbrink. Wirklich hochbegabt seien nur drei Prozent der Kinder in Deutschland. Oft fühlen sich Eltern geschmeichelt, wenn ihr Kind in diesen Fördergruppen unterkommt. Daran sei auch nichts einzuwenden, so lange sie nicht denken ihr Kind habe deshalb das Abitur bereits in der Tasche, so Ammon weiter. Auch den Pädagogen fehle oft der richtige Blick und das Hintergrundwissen in Sachen Begabtenförderung. Das diese Aufklärungsarbeit wichtig ist, hat der Landkreis längst entdeckt. Aus diesem Grund unterstützt er den Verbund. Eltern die ihre Kinder zur Förder-AG fahren, bekommen beispielsweise die entstandenen Kosten rückerstattet. Das Kultusminiterium hat für das kommende Schuljahr erneut die 25 Förderstunden zugesichert. Foto: wa

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