1. Mit großer menschlicher Nähe einen sicheren Fallschirm bauen

    Hospizverein feiert 10-jähriges Bestehen / Regenbogenfarben als Symbol der Zusammengehörigkeit

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    RINTELN (ste). Den Schirm menschlicher Nähe aufzuspannen, das ist es, was die Hospizler den schwerstkranken und sterbenden Menschen in den letzten Lebensstunden bieten. Nicht allein zu sein, und vor allem auch nicht allein zu sterben. Was in den früheren Generationen so selbstverständlich war, nämlich in der Familie die letzten Lebensstunden zu verbringen, ist heute längst keine Selbstverständlichkeit mehr.

    In Braunschweig ist es sogar "trendy", im statiorären Hospiz zu sterben, so Dr. med. Rainer Prönneke, Chefarzt Med. Klinik Marienstift Braunschweig und Vorstandsmitglied der Hospiz Landesarbeitsgemeinschaft Niedersachsen e.V..

    Dass das aber nicht der Sinn der Hospizbewegung ist, erklärte Prönneke recht kritisch in seinem Festvortrag. Und er hoffte, dass man zum Ursprung zurückfindet und es kein Zwei-Klassen-Sterben gibt, weil es nicht für jeden die Möglichkeit gibt, im stationären Hospiz die letzten Lebensstunden zu verbringen. Die Rintelner Hospizler, die vor zehn Jahren mit 15 engagierten Menschen ihre ehrenamtliche Arbeit aufnahmen, haben sich entwickelt zu einem 180 Mitglieder starken Verein mit zwei Koordinatorinnen. Mit regenbogenfarbenen Tüchern und Krawatten, Federn und einem großen bunten Fallschirmtuch symbolisierten sie am Jubiläumstag ihre Zusammengehörigkeit und das Tod und Trauer nicht nur schwarz sind. "Wie ein Fallschirm, der Schutz aus großer Höhe bietet", so sehen sich die Hospizler, und sie möchten für die Menschen da sein, so Hospizvereins-Vorsitzende Christine Deppmeyer. Sie wollen "Den Schirm menschlicher Nähe" aufspannen. Und weil der Hospizverein bei Rintelns Bürgermeister Karl-Heinz Buchholz immer offene Ohren fand, bat man ihn auch um die Schirmherrschaft für die Jubi-Veranstaltung. Dies wurde dann mit einem bunten Schirm, auf dem die Tätigkeitsfelder des Hospizvereins aufgeschrieben waren, belohnt.

    Menschen reifen an der Liebe

    Mit dem Spruch von Peter Hahne "Früchte reifen an der Sonne, Menschen an der Liebe" übernahm dann Buchholz das Wort. Er betonte, dass es dem Hospizverein tatsächlich ja nicht primär um das Sterben, sondern um das Leben gehe: "Und zwar bis zum letzten Atemzug!" Und es gehe darum, zu Hause zu sterben, in vertrauter Umgebung und in Begleitung vertrauter Menschen. Sterben und Tod sind soetwas wie die letzten Tabus unserer Zeit, sie haben keinen Platz in unserem Alltag und werden an den Rand gedrängt. "Aber dem Tod können wir alle nicht entgehen", so Buchholz weiter, denn: "Das Sterben gehört nun einmal zum Leben dazu!" Man stirbt zwar oft an einer Krankheit, aber das Sterben selbst ist keine Krankheit, sondern ein Teil - der letzte Teil - des Lebens. H ier setzt die Hospizbewegung an. Das Sterben in den Alltag zurückzuholen ist eines der erklärten Ziele. Auch Helma Hartmann-Grolm als stellvertretende Landrätin und Ulrich Domdey, Vorstandsvorsitzender der Hospiz-Stiftung-Niedersachsen e.V., gehörten zu den Rednern der Jubiläumsveranstaltung.

    Dass die Traurigkeit gleich neben dem Glück steht, so Hartmann-Grolm, zeigt, dass auch die unausweichlichen Erfahrungen wie Krisen und Verlust wichtige Erfahrungen im Leben sind. Domdey wusste, dass die Rintelner Hospizler bereits über die Grenzen hinaus ihre ehrenamtliche Arbeit entwickelt haben und schloss mit einem Appell an den Rat der Stadt und die Kirchengemeinden, dies doch mit einer Mitgliedschaft zu unterstützen. Andreas Kühne-Glaser, Superintendent des Kirchenkreises Schaumburg, sprach von der Hingabe, mit der die Hospizler ihre Arbeit leisten. Er versüßte mit einem "Tänzchen" gemeinsam mit Annette Pflug-Herdrich, die die Veranstaltung mit vier musikalischen Beiträgen verschönerte, seine Grußworte. Jennifer Koy und Hannah Schütz aus der Röhnradabteilung der VTR zeigten dann ihr Können bei der Ausstellungseröffnung "Ehrenamtliche in ihrer Freizeit", die die erste Vorsitzende gemeinsam mit dem Mitglied des Bundestages Sebastian Edathy vornahm.

    Nach einer kräftigen Stärkung und vielen wohltuenden Gesprächen gab es dann noch etwas für die Lachmuskeln. Klaus Renzel, Musikkomödiant sowie Klinik- und Altenheimclown, zeigte eine Stunde lang sein Programm "Vorsicht, lachen könnte ihnen gut tun".

    Foto: ste

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