RINTELN (ste). Tief bewegt zeigten sich die Zuschauer am Montag Abend im Theater im Brückentorsaal nach dem Stück "Zweifel", aufgeführt vom "Alten Schauspielhaus" Stuttgart in Zusammenarbeit mit dem Euro-Studio Landgraf. Tief bewegt sicher auch deshalb, weil die Geschichte auch im täglichen Leben so abwegig nicht ist. Vorverurteilungen, Diffamierungen bis zur Vernichtung von Menschen durch unbegründete Verdachtschöpfung, üble Nachrede und Verleumdung sind nicht umsonst Massendelikte und sogar im Strafgesetzbuch aufgenommen. In der Geschichte von Pulitzer-Preisträgers John Patrick Shanley über den Umgang mit Verdacht, Schuld und Verurteilung spielten Renan Demirkan als Nonne "Aloysius" und Wolfgang Seidenberg als Pater Flynn überaus authentisch ihre Hauptrollen. Man mochte fast selbst körperlich miterleben, wie sich der von Schulleiterin Aloysius des Kindesmissbrauch verdächtigte Pater fühlte, wie seine Anteilnahme am Schicksal seiner Schüler ihm letztlich die Stellung kostete, seinen Ruf, seine Ehre, sein Wohlgefühl; und das zu Unrecht, denn Pater Flynn lag einzig und allein das Kindeswohl in einem angenehmen Lern- und Lehrumfeld am Herzen. John Patrick Shanley, der mit diesem Stück weltweit Anerkennung erfuhr, lässt in "Zweifel" auch ein gutes Stück seiner eigenen Kindheit in der Bronx Revue passieren und schafft es daher, immer dicht am echten Leben zu bleiben. Der Grad ist schmal zwischen eingeforderter Zivilcourage, Umsicht, "sich kümmern" und der "Oberverdachtschöpfung", der unbegründeten Zerstörung von Lebensläufen unbescholtener Bürger. Und so plagen auch Schwester Aloysius am Ende echte "Zweifel". Noch lange wird es im Nachklapp zu diesem Stück Gründe zur Diskussion geben, noch lange werden die "Zweifel" in den Köpfen der Zuschauer ihren Kampf ausfechten. Toll!Foto: ste
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"Zweifel" mit Nachwirkungen
Tiefgründiges Psychodrama bewegt die Zuschauer
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