RINTELN (ste). Eigentlich waren sich in der Sache alle einig. Alle, bis auf Eckhard Hülm von der SPD, denn der stimmte am Ende gegen den Beschluss, künftig Windenergieanlagen an allen rechtlich zulässigen Standorten im Stadtgebiet zu genehmigen und auf die Ausweisung eines Vorranggebietes zu verzichten. Und trotz der fraktionsübergreifenden Einigkeit gab es verhaltenes Misstrauen. Die Grünen-Ratsdame Ursula Helmhold warnte den Rat - und hier insbesondere die um 180-Grad gewendete WGS - vor einer "Show": "Wenn ich jetzt schon wieder höre, dass die WGS überall in Rinteln Windkraftwerke installiert sehen will, nur in Westendorf nicht, habe ich meine Zweifel an der Redlichkeit der Aussagen!" Helmhold stellte die Position der Grünen noch einmal heraus. Sie verdeutlichte, dass durch die Nichtausweisung eines Vorranggebietes nun für die grundsätzlich privilegierten Bauvorhaben von Windkraftanlagen Einzelgenehmigungsverfahren nur noch mit Stellungnahmen der Stadt Rinteln versehen werden. Zuvor hatte Gert Armin Neuhäuser verdeutlicht, dass seiner Meinung nach die Anlagen in Westendorf am Denkmalschutz scheitern werden: "Ebenso wie im Bereich der Ellerburg am Naturschutz!" Die Umkehr der WGS begründete er mit der Atomkatastrophe in Fukushima: "Wenn in Grohnde etwas passieren sollte, sind wir mit in der Bütt!"
Wie erwartet kam die Kritik auf Neuhäusers Äußerungen von seinen ehemaligen SPD-Kollegen. Klaus Wißmann: "Wer jetzt noch den Denkmalschutz über den Bau von Windkraftwerken setzt, der hat die Zeichen der Zeit nicht erkannt!" Auch Thorsten Frühmark kritisierte alle Versuche, regenerative Energien jetzt noch zu behindern: "Dann machen wir uns richtig lächerlich!" Seinem Fraktionskollegen und Ratsvorsitzenden Dr. Dietmar Nolting warf Frühmark vor, von "Scheinheiligkeit" des Rates öffentlich gesprochen zu haben. Der verwahrte sich vor einer solchen Äußerung, bestätigte jedoch, dass er die mehr als zweijährige Planung für das Vorranggebiet mit Kosten von über 100.000 Euro als eine schlüssige Linie empfand, die jetzt kurzerhand aufgegeben werde.
Mut zu persönlichen Einschränkungen forderte Dieter Horn von der SPD und Bürgermeister Karl-Heinz Buchholz machte noch einmal deutlich, dass die Frage der Windenergieanlagen in Westendorf/Deckbergen noch lange nicht vom Tisch sei. Es gebe eine vom VG Hannover festgestellte "Vorbelastung" des fraglichen Gebietes durch industrielle Anlagen und auch die Obere Denkmalschutzbehörde habe auf die Nachfrage der Stadt für 150-Meter-Anlagen lediglich ein "könnte unzulässig sein" zurückgeschrieben. Am Ende wird wohl hier - wie an vielen anderen Orten der Stadt - doch das Verwaltungsgericht die Standortfrage von Windkraft entscheiden. Für Westendorf haben Antje und Britta Rinne dem potentiellen Investor bereits Klagen angedroht. Foto: ste