1. Kräftig rocken bis die Funken fliegen

    Beim Rintelner Karneval geht richtig die Post ab / Landeier lassen es krachen, Klosterelfen zeigen grazile Männerbeine und das Publikum ist bunt gemischt

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    RINTELN (ste). Die Tische waren voll besetzt, die Gäste vielfach bunt verkleidet, die Stimmung kochte hoch: "Es ist Karnevalszeit!" Erstmals hatte der ausrichtende Rintelner Carnevals Verein (RCV) mit Karl Lange als Fürst, Heiner Pape als Kanzler und Karl-Heinz Blaue als Till ein Dreigestirn aufgefahren. Und die bekamen von ihrem Ehrenplatz ein prächtiges Programm zu sehen, mit fliegenden Beinen, schmetternden Trompeten- und Gitarrensoli, kecken Tanzmariechen und den grazilen Schönheiten des RCV-Männerballetts, die als "Klosterelfen" schon mehrfach begeistern konnten. Die werden von Marion Steding trainiert und ihre aufsehenerregende Show ist schon weit über die Stadtgrenzen hinweg bekannt und beliegt. So richtig krachen ließen es auch die "Landeier", die mit abgewandelten Liedtexten weltbekannte Titel coverten und dabei eine Rakete nach der anderen losließen. Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes, denn die Pyrotechnik auf der Bühne qualmte und rauchte vom Feinsten. Die Brandmelder im Saal waren extra dafür abgeschaltet worden und die Feuerwehr hielt Brandwache.

    Stargast des Abends war Jan Willem. Der selbsternannten "Ostfriesische Bauer" hat so Klassiker wie "Wenn es Dich noch gibt" auf Lager und sein trauriger Blick dabei in die viel zu weite Hose ließ erahnen, wen er mit seinem Lied meinte. Derber Witz ist sein Markenzeichen und im Saal kam das gut an. Besser als die Rentner-Bütt von Paul-E. Mense. Der FDP Kreisvorsitzende mühte sich, ließ ein paar alte Kalauer über die Verwaltung los und hielt sich ansonsten an sein Konzept über die Beschwerden von Senioren mit ihren Prostataleiden und Krampfadern. Was beim Seniorenkarneval noch halbwegs auf offene Ohren stieß, blieb nach der Prunksitzung nicht unbedingt im Gedächtnis haften. Dafür hatte Hans-Hermann Stöckl als Nachtwächter wieder reichlich zu berichten aus Rat und Verwaltung, Stadt und Kreis. Klar, dass ihm dabei auch "Krankenhauskiller" Schöttelndreier und "Burger-Tempel-Befürworter" Buchholz Pate standen für so manchen politischen Gag. Seitenhiebe gab es für die "Rinteln Marina" und den "Behördentraum" beim Hochwasser. Stöckls Bütt war in diesem Jahr vorgezogen worden, bislang hatte er als Highlight eher am Schluss des Karnevals seinen Platz gefunden. Der Rintelner Karneval lebte auch in diesem Jahr von der bunten Mischung aus heimischen Größen, Gästen aus umliegenden Narrenhochburgen wie Hess. Oldendorf oder Hameln, eingekaufter Fröhlichkeit und einem Publikum, dass sich so feierfreudig zeigte wie kaum einmal zuvor. Die vielen bunten Kostüme, die reichlich gefüllten Gläser und das bunte Treiben auf der Bühne unterhalb des Elferrates machte den Karneval aus. Waren in den letzten Jahren die Zuschauerzahlen rückläufig und bangte man im Verein schon um den Fortbestand des Karnevals in der Weserstadt, so bewies die Session 2011, dass der Karnval in Rinteln lebt und überleben wird. Weiter so!Foto: ste

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