1. CDU: "Wahl zwischen Läusen und Flöhen"

    Ratsmehrheit spricht sich für Pläne von Privatinvestor aus / Supermarkt gegenüber der Therme

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    BAD NENNDORF (pd). Die Frage, ob die Baumaßnahme grundsätzlich europaweit ausgeschrieben werden soll, spielte in der ausgiebigen Debatte über das Thema eigentlich nur eine untergeordnete Rolle. Es ging bei der Aussprache über eine mögliche Bebauung des Parkplatzes gegenüber der Landgrafentherme im Verlauf der jüngsten Ratssitzung der Stadt vielmehr um "schön oder nicht schön", um "Wahlkampfmanöver" oder um die Entscheidung zwischen "Läusen und Flöhen", wie CDU- Fraktionschefin Ellen Hültenschmidt es bildlich ausdrückte. Am Ende gab es eine klare Ratsmehrheit dafür, dem Verwaltungsausschuss die Detailfragen mit dem privaten Investor zu überlassen, der in den Startlöchern steht, um das Gelände mit einem 1.600 Quadratmeter großen Supermarkt zu bebauen. Alles unter dem Vorbehalt, dass der Landkreis bei seiner Prüfung zu der Entscheidung kommt, die Maßnahme müsse nicht EU-weit ausgeschrieben werden.

    Als Investor ist die Part AG mit Sitz in Bad Gandersheim im Spiel. Der Investor, der auch an der Bückethaler Landwehr einen Fachmarkt errichten möchte (wir berichteten darüber) hat schon konkrete Vorstellungen über das Bauvorhaben im Herzen der Stadt vorgestellt.

    So soll ein Flachbau mit Dachterrasse entstehen, auf der rund 40 Autos abgestellt werden können. Der Bau soll kein "Klotz" mit an der Stelle zulässigen vier Geschossen werden, sondern sich vielmehr gut an die Umgebung anpassen. Das Gebäude wird nicht die gesamte Fläche des jetzigen Thermalbad-Parkplatzes einnehmen. 80 Autos sollen dort nach wie vor parken können. Die Abstellplätze auf dem Dach des Verbrauchermarktes sollen öffentlich zugänglich sein.

    Frank Steen von der Gruppe WGN/Biener warnte vor einer übereilten Entscheidung. Wenn die Part AG erst einmal den Zuschlag für das Grundstück bekommen habe, werde die Stadt keinen Einfluss mehr auf tatsächliche Gestaltung des Gebäudes und der Umgebung haben.

    Er erinnerte auch daran, dass Stadtplaner sich klar dagegen ausgesprochen hätten, an der Stelle einen Supermarkt zu errichten. Man solle eher versuchen, dort kleine Geschäfte mit bis zu 200 Quadratmetern Verkaufsfläche in einer Art Ladenzeile zu etablieren. "Dieses Vorhaben konterkariert sämtliche Fachaussagen", wurde Steen deutlicher. Und: "Dieses Grundstück hat etwas Besseres verdient". Der Supermarkt würde auch das "Aus" für den City-Markt in der Nähe bedeuten, fürchtet er.

    Volker Busse bezeichnete die Ausführungen seines Vorredners als "Wahlkampf pur". Seit zehn Jahren gebe es Versuche, dort etwas zu machen. Der Parkplatz auf dem Geschäftshaus wäre ein Blickfang und der Verbrauchermarkt würde laut Plan ansehnlich aussehen, so der SPD-Fraktionssprecher. Die Part AG solle den Zuschlag bekommen und erste Schritte einleiten.

    Für die CDU sprach sich Ellen Hültenschmidt ebenfalls für die Pläne des Investors aus. Auch sie erinnerte an die vielen Versuche, an besagter Stelle etwas zu bauen, immer ohne Ergebnis, weil die Anforderungsprofile nicht gestimmt hätten. Durch das Vorhaben des Investors könne sich die Situation nur verbessern und man würde Parkplätze erhalten. "Durch Warten verbessern sich die Chancen nicht". Auch Cornelia Jäger (CDU) fand die Pläne "gefälliger" als eine viergeschossige Randbebauung. Die Tage des City-Marktes seien ohnehin gezählt, da solle man sich doch lieber für den "Spatz in der Hand" entscheiden.

    Der nächste Sinnspruch kam von Erwin Biener: "Gut Ding will Weile haben", erinnerte die parteilose Ratsherr. Nicht nur der City-Markt wäre durch den neuen Supermarkt in seiner Existenz gefährdet, auch für den Penny-Markt im Rahlfs-Gebäude in der Hauptstraße wäre ein Vollversorger "eine Katastrophe. SPD-Ratsherr Fritz Varwig sprach sich auch deutlich gegen die Absicht aus, dem Verwaltungsausschuss allein die Entscheidung zu überlassen. "Wir wissen doch gar nicht, was für einen Markt die wollen", gab er zu Bedenken. Am Ende wurde mit 19 Ja-Stimmen, drei Nein- Stimmen und einer Enthaltung beschlossen, das der Verwaltungsausschuss das Grundstück an die Part AG zuteilen darf. Foto: pd

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