1. Deutsch lernen und selbstbestimmt leben

    Nach langem bürokratischen Hürdenlauf startet nun ein neuer Sprach- und Orientierungskurs

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    RINTELN (ste). Den ersten Schritt zu einer gelungenen Integration haben 14 Frauen aus der Türkei, Jordanien und Russland schon gemacht; sie wehrten sich gegen bürokratische Entscheidungen, die sie an der Integration hindern wollten. Das klingt erst einmal paradox in Zeiten, wo Thilo Sarazins Bestseller "Deutschland schafft sich ab" den umstrittenen Autor reich macht und sich die halbe Nation darüber aufregt, dass der türkische Ministerpräsident Erdogan das Erlernen der türkischen Sprache bei Migrantenkindern vor der deutschen Sprache setzt und dabei wiederholt, dass die Integration nicht den Verlust der türkischen Identität bedeuten dürfe. Integration, so die weitläufige Meinung in der deutschen Gesellschaft, ist zwingende Voraussetzung für ein langfristiges gutes Miteinander der Kulturen in Deutschland. Doch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge - kurz BAMF - hatte einem Teil der Frauen die Unterstützung für einen Integrationskurs verweigert mit dem Hinweis, dass sie so lange in Deutschland lebten, dass sie bereits integriert sein und die deutsche Sprache beherrschen müssten. Doch vielfach kümmerten sich die Frauen in den letzten Jahren um alles andere in ihren Familien, als um die eigene Person. Kindererziehung und Haushaltsführung ließen es oft nicht zu, intensiv Deutsch zu lernen. Die Konsequenz daraus war, dass die Frauen zurückgezogen in ihrem eigenen Kulturkreis und abhängig von der Hilfe ihrer deutschsprachigen Kinder lebten. Nach einem vom türkisch-islamischen Kulturverein "Mevlana" aus Spendengeldern finanzierten Deutschkurs von Oktober 2009 bis März 2010 fassten die 14 Frauen jedoch Mut und Hoffnung, endlich die deutsche Sprache als Schlüssel zur Integration zu erlernen. Unterstützt wurden sie dabei von Xenio Fischer-Loock, die extra eine Zusatzausbildung als Deutschlehrerin für Integrationskurse absolvierte und von der BAMF zertifiziert wurde.

    Die Frauen aus dem Integrationskurs meistern die bürokratischen Hürden und starten jetzt mit dem Ziel durch, das Zertifikat "Deutsch B 1" zu erhalten. Das berechtigt auch zu einem Einbürgerungsantrag.

    Nach einem Einstufungstest konnte sie feststellen, dass alle Teilnehmerinnen über nur geringe Deutschkenntnisse verfügen und gemeinsam stellte man die Anträge für einen Integrationskurs mit dem Ziel, das Zertifikat "Deutsch B 1" zu erhalten. Dieses Zertifikat berechtigt die erfolgreichen Teilnehmer, einen Einbürgerungsantrag zu stellen. Im September 2010 sollte es losgehen. Doch die BAMF spielte nicht mit und erteilte nur einem Teil der Frauen die Genehmigung; auch die Widersprüche wurden abgeschmettert.

    Für Xenia Fischer-Loock und Murat Demirel, dem Vorsitzenden des Vereins "Mevlana", ein Vorgang, den man nicht ohne Gegenwehr hinnehmen wollte. Sie wandten sich mit der Bitte um Hilfe an Bürgermeister Karl-Heinz Buchholz und der schaltet Sebastian Edathy als den Schaumburger Bundestagsabgeordneten ein. Wie wirksam das Votum des im Bundesvorstand der SPD tätigen, ehemaligen migrationspolitischen Sprechers der Partei ist, zeigte sich kurz darauf. Das BAMF bewilligte die Anträge der Frauen und nun können die Kurse starten.

    Die werden den Teilnehmerinnen einiges abverlangen, denn immerhin stehen 945 Stunden Deutsch, Werte und Normen sowie Geschichte und Politik auf dem Plan: "Heute ist ein guter Tag für Rintelns Integrationsarbeit", befand Rintelns Erster Stadtrat Jörg Schröder jetzt in den Räumen von "Mevlana", als er die Bewilligungsbescheide in den Händen hielt. Mit dabei auch Xenia Fischer-Loock, die künftig die Frauen fünf Stunden pro Tag unterrichten wird, Brigitte Warnke-Killian, deren "Dialog-Institut" von der BAMF zertifiziert für die Integrationsausbildung ist und Aytin Türkmen als Mevlana-Frauenbeauftragte.

    Für Frau Türkmen ist der Start des Kurses ein großer Erfolg. Sie sieht insbesondere die Chance für die Frauen, ihr Leben in Deutschland selbstbestimmter führen zu können, wenn man sich im Alltag besser zurecht findet und die Sprache beherrscht.

    Der Kurs ist auch offen für weitere Teilnehmer. Wer Interesse hat, sollte sich an Xenia Fischer-Loock unter der Telefonnummer 05751/921713 weitere Informationen einholen.Foto: ste/privat

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