1. Abschied und Anfang

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    LANDKREIS (mr). Konzentriert und überlegt beantwortete Landrat Heinz-Gerhard Schöttelndreier die Fragen, die ihm das Schaumburger Wochenblatt zum Ende seiner zwölfjährigen Amtszeit als Landrat und 45-jährigen Dienstlaufbahn in der Verwaltung beim Landkreis Schaumburg gestellt hat. Am Ende bekannte er, dass die gedanklich-emotionale Auseinandersetzung mit einigen davon ihn getroffen habe: "Abschied nehmen tut weh" – auch einem souveränen Landrat.

    SW: Heinz-Gerhard Schöttelndreier, Ihre offizielle Verabschiedung ist bereits erfolgt – wie haben Sie diesen besonderen Tag erlebt?

    Schöttelndreier: Mit sehr gemischten Gefühlen. Auf der einen Seite will und muss ich akzeptieren, dass nun die besondere Altersgrenze von 68 Jahren bei mir greift. Auf der anderen Seite war und bin ich bis zum letzten Tag mit Volldampf dabei. Wenn ich es mir hätte wünschen können, wäre ich gern in der verantwortungsvollen Aufgabenstellung geblieben.

    SW: Und nun rückt wirklich der letzte Arbeitstag näher – wie fühlen Sie sich?

    Schöttelndreier: Ich mache mir bewusst, dass ich allen Grund habe zufrieden zu sein. Wir haben in allen Aufgabenbereichen und bei den langfristig zu lösenden Problemen die Weichen richtig gestellt. Mit Jörg Farr an der Spitze und dem hoch motivierten und gut qualifizierten Team wird es erfolgreich weitergehen. Gleichwohl bleibt das Gefühl des Abschieds. Ich habe bereits viele Mitarbeiter verabschiedet, ihnen gute Ratschläge gegeben, so wie ich nun viele wertvolle Ratschläge erhalten habe. Doch mit den Gefühlen des "Jetzt ist es vorbei" bleibt man allein. Ich muss selbst damit fertig werden, den nötigen Abstand zu bekommen.

    SW: Welches Ereignis von sicherlich vielen prägenden Momenten in dieser langen Zeit als Landrat bleibt Ihnen besonders in Erinnerung?

    Schöttelndreier: Das ist schwer zu beantworten. Jeder Tag – selbst wenn das übertrieben klingen mag - brachte aufgrund der großen Spanne der Verantwortungsbereiche immer wieder neue Herausforderungen. Es war spannend, nervenaufreibend, schlafraubend, jedoch nie langweilig und absolut befriedigend. Sicherlich waren die Kreisgebietsreform, die Umformung der Verwaltung in einen Dienstleistungsbetrieb, die Neuausrichtung der Wirtschaftsförderung, die Umsetzung des Konzeptes Jugend, Familie, die Gestaltung der Ausbildungs- und Schulstruktur, die Projekte "Arbeit statt Sozialhilfe" besonders prägend. Die größten Wechselbäder der Gefühle erlebte ich an dem Tag, an dem mir überraschend die Landrats-Kandidatur angetragen wurde und die großen Zustimmungen bei der ersten und zweiten erfolgreichen Wahl.

    SW: Wie war das mit der Überraschung vor der ersten Wahl?

    Schöttelndreier: Ich hatte damit überhaupt nicht gerechnet und eine Stunde Zeit, um mich zu entscheiden. Ich zog mich zurück, wägte Vor- und Nachteile sowie Alternativen ab, informierte Margitta. Letztendlich wollte ich nicht als zweiter Mann einem zu dem Zeitpunkt noch unbekannten Landrat zuarbeiten. Ich nahm den Vertrauensvorschuss an, dem ich dann auch gerecht werden wollte. Von da an hat mich das Amt voll und ganz in Beschlag genommen – rund um die Uhr. Das gestaltete mein Leben.

    SW: Was werden Sie vermissen?

    Schöttelndreier: Die offene und sehr zielführende Teamarbeit wird mir fehlen. Doch ich weiß, dass hier und da mein Rat noch gefragt sein wird.

    SW: Welche Ihrer beruflichen Eigenschaften möchten Sie mitnehmen in den neuen Lebensabschnitt?

    Schöttelndreier: Ich weiß vor allem, was ich nicht mitnehmen will: meine Ungeduld. An meiner "Nicht-Gelassenheit" arbeite ich. Dazu haben mir bereits gut meinende Ratgeber einige Büchlein geschenkt, die mir helfen werden (schmunzelt). Was ich mitnehmen werde: Ein großes Maß an Erfahrung und dass ich viele wertvolle Menschen kennen gelernt habe. Da will ich gerne die Kontakte aufrechterhalten.

    SW: Wie, denken Sie, bereitet sich Ihre Frau Margitta auf das "einschneidende" Ereignis – Sie daheim – vor?

    Schöttelndreier (schmunzelt): Margitta plant schon seit einem Jahr, wo sie mich überall einsetzen kann, zum Beispiel im Garten. Außerdem hat sie schon eine Bahncard für uns beide besorgt und Pläne mit unserem Sohn Jan gemacht, ihn und seine Frau Sandra öfters in Karlsruhe zu besuchen.

    SW: Worauf freuen Sie sich besonders?

    Schöttelndreier: Genau darauf freue ich mich. Vielleicht klappt es auch noch mit einem Surf-Trip gemeinsam mit Jan und Sandra. Wir planen bereits Radtouren und Städtereisen. Ich muss allerdings acht geben, Margitta nicht alles aus der Hand zu reißen. Wir beide sind zukünftig das Team, das ich bisher in der Dezernentenkonferenz hatte.

    SW: Womit geht es sofort los?

    Schöttelndreier: Passend zum Frühlingsbeginn ist der Garten an der Reihe. Sobald ich mich von den Rippenbrüchen erholt habe, werde ich wieder das Laufen aufnehmen, damit ich in meiner Laufgruppe mithalten kann. Und im April steigen wir bereits das erste Mal aufs Rad, im Mai geht es dann an den Bodensee.

    SW: Könnte in Freizeitstress ausarten!?

    Schöttelndreier: Das Jahr ist ja lang. Und: Planen hilft mir, Abstand zu gewinnen.

    SW: Welche Wünsche geben Sie Ihrem "ehemaligen" Team mit auf den Weg?

    Schöttelndreier: Das Besondere war immer schon der Zusammenhalt und die Fähigkeit, in der Sache, unabhängig jeglicher politischer Interessen, zu überzeugen. Ich bin mir sicher, das Team wird gemeinsam mit seinem neuen "Chef" weiterhin die Interessen der Menschen wahrnehmen und die Entwicklung des Landkreises in seiner gesamten Aufgabenstellung weiterhin positiv gestalten. Zu wünschen ist, dass die Rahmenbedingungen genügend Spielraum lassen.

    SW: Vielen Dank für das

    Gespräch und alles Gute.

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