STADTHAGEN (jl). "Droge Alkohol – Ausstieg vor dem Einstieg." Zu einer Diskussionsrunde über dieses ständig brisante Thema haben Axel Bergmann von der Stadthäger Polizei, Dominika Lachowicz und Ulrike Suckow von der Fachstelle für Suchtprävention und der Suchtberatung des Diakonischen Werkes aufgerufen. Die im Wilhelm-Busch-Gymnasium versammelten Zuhörer – vor allem Eltern und nur einige Jugendliche – zeigten ein reges Interesse an der Thematik.
Alkohol und die Jugend: Axel Bergmann, Dominika Lachowicz und Ulrike Suckow informieren über Risiken und geben Tipps zur Prävention.
Kein Wunder. Denn wie Lachowicz berichtete, trinke die große Masse zwar weniger Alkohol, eine kleine Gruppe dafür aber umso exzessiver. Und die trinkenden Jugendlichen werden immer jünger. Im Fokus stehe hier das sogenannte "Binge-Drinking”, was einen möglichst hohen Alkoholkonsum in nur kurzer Zeit bedeutet.
Die Rolle der Eltern stellte Bergmann heraus. Die Devise laute "Das Problem ansprechen!". Denn Eltern, die sich sorgen und kümmern, seien Jugendlichen eine viel größere Hilfe als Eltern, die die Dinge laufen lassen. Dies umfasse auch das Setzen von klaren Grenzen. "Grenzen austesten und überschreiten gehört dazu", betonte Bergmann. Es sei aber wichtig, dass Eltern bei Einhaltung der Grenzen Lob äußern, im Umkehrschluss aber auch Sanktionen aussprechen, wenn Grenzen überschritten werden. Es gehe um "gegenseitiges Herantasten, ein Kernpunkt der Erziehung", wie Bergmann befand.
Eine Frage lag dem Publikum ganz besonders auf der Seele: "Warum ist das ‚Komasaufen‘ heute so beliebt?" Den einen Grund dafür gebe es aber nicht. Laut den Mitarbeiterinnen der Suchtprävention nehmen neben dem Gruppenzwang auch die Alkopops (süße Getränke, die mit Spirituosen wie Wodka gemischt sind) eine wichtige Rolle ein. Wenn das Trinkgelage im Krankenhaus endet, sei in über 90 Prozent der Fälle hochprozentiger Alkohol im Spiel. Das "Binge-Drinking" sei ebenfalls ein wesentlicher Faktor, da es eine plötzlich eintretende komatöse Wirkung zur Folge habe. Manchmal, so Suckow, sei das exzessive Trinken auch eine Art "letzte Protestvariante" gegen die Eltern. In Zeiten, wo grüne Haare niemanden mehr schocken, hätte die heutige Generation weniger Chancen zur Rebellion.
Der Vortrag stellte heraus, dass auch die Werbung ein einflussreicher Faktor sei. Neben einem Zigarettenverbot in der Werbung sollte es auch ein Verbot für Alkoholwerbung geben, forderte eine Zuhörerin. Dass die Jägermeisterwerbung "witzig gemacht" sei und jeder das Bacardi-Lied singen könne, sehe sie als Problem an.
Tipps von den Experten gab es, als das Stichwort "Spaßbremse" fiel. Für das richtige Verhalten in Situationen, in denen man, im Gegensatz zu anderen, keinen Alkohol trinken möchte, gebe es laut Bergmann nur eine Möglichkeit: So früh wie möglich an Programmen teilzunehmen, die zu einem gesunden Selbstbewusstsein und starkem Auftreten führen. "Klasse 2000" oder "Buddy-Projekte" seien die Grundlage dafür, in den richtigen Momenten Nein zu sagen. "Sich Sätze parat legen, hilft auch", ergänzte Lachowicz.
Ob Hoffnung bestehe, dass "Komasaufen" nur eine Welle ist, die weggeht, interessierte einen Vater. Die vernichtende Antwort der drei Referenten: "Nein, nicht von alleine." Als Schlagwörter nannte Bergmann Verantwortung und Vorbildfunktion der Eltern. Denn ein Geheimrezept gebe es nicht.
Die Fachstelle für Suchtprävention und die Suchtberatung sind in der Bahnhofstraße 16 (Stadthagen) zu finden und unter der Telefonnummer 05721/993030 bzw. 05721/993020 zu erreichen. Weitere Informationsangebote rund um das Thema Alkohol gibt es während der bundesweiten Aktionswoche Alkohol 2011 "Weniger ist besser" vom 21. bis 29. Mai.
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