DECKBERGEN/SCHAUMBURG (tt). Seit 12 Jahren ist der Sportplatzbau in Deckbergen ein zentrales Thema und noch immer kommen die Sportler mit ihren Wünschen keinen Schritt voran. Ganz im Gegenteil, auf der Zielgeraden sind die finanziellen Mittel im Haushalt der Stadt Rinteln gestrichen. Darüber war nicht nur der gesamte Vorstand des Sportclubs "stinksauer", auch der Vorsitzende Dirk Bredemeier nahm während der Jahreshauptversammlung im Dorfgemeinschaftshaus in Schaumburg kein Blatt vor den Mund und stellte den Kommunalpolitikern ein Armutszeugnis aus. Die Forderung kommt nicht von ungefähr, denn die Infrastruktur entspricht nicht der, wie sie ein Großverein mit knapp 700 Mitgliedern und dem Sportangebot braucht und wie sie andere Vereine im Stadtgebiet gestellt und unterhalten bekommen. "In den abschließenden Beratungen des Finanzausschusses der Stadt Rinteln zum Haushalt 2011 sind die bereits für einen Sportplatzbau angesetzten Mittel wieder gestrichen worden mit dem Ergebnis, dass alle Fraktionen darin ein zufriedenstellendes Ergebnis sehen", so der Vorsitzende enttäuscht, der aber nicht müde wird, auf die Missstände hinzuweisen. Bredemeier machte in der Versammlung noch einmal deutlich, wie sich die derartige Situation darstellt. "Wir haben einen von der Stadt unterhaltenen A-Platz, der durch unsere ehrenamtlich tätigen Platzwarten in viele Arbeitsstunden in einem Top-Zustand gehalten wird. Wir haben einen von der Stadt unterhaltenen Trainingsplatz (bei wöchentlich 14 Trainingseinheiten à 1,5 Stunden plus Punktspielen ist ein zweiter Platz unabdingbar). Wir haben eine von der Stadt unterhaltene Klein-Sporthalle und wir haben am A-Platz-Standort zwei Umkleidekabinen inklusive einer Dusche. Dies sorgt allgemein, aber erst recht bei Spielen der Frauen- und Mädchenmannschaften immer wieder für Probleme", so Dirk Bredemeier weiter. Der Verein unterhält ein 1998/99 in Eigenleistung erstelltes eigenes Vereinsheim. Von der Stadt und dem Kreissportbund gab es seinerzeit Zuschüsse. Im Sporthaus am B-Platz in Schaumburg hat sich über die Jahre hinweg ein enormer Renovierungsstau ergeben, der mittlerweile im 6-stelligen Euro-Bereich liegen soll. "Auf den Punkt gebracht: Wir hinken im Vergleich zu anderen Sportvereinen seit Jahren hinterher. Wir brauchen weiterhin einen den A-Platz entlastenden Trainingsplatz und eine vernünftige, dem normalen Standard entsprechende Kabinensituation, aber bis heute ist keine Lösung in Sicht", so der Vorsitzende. Bei ihren abschließenden Beratungen, die finanziellen Mittel in Höhe von rund 300.000 Euro wieder aus dem Etat zu streichen, haben sich die Kommunalpolitiker der Stadt sicher vom "Sportstättenentwicklungsplan" des Kreissportbundes leiten lassen, der in Zeiten des demografischen Wandels in Zukunft die Auslastung der Sportstätten infrage stellt. Bredemeier weicht dieser kritischen Frage nicht aus und hält die Sportvereine aber auch künftig für einen wichtigen Teil der Gesellschaft. "Man darf die Unterstützung der Vereine nicht einfach einstellen und keine Lösungen für unsere Probleme anbieten. Der SC Deckbergen-Schaumburg hat schon heute wichtige und vorausschauende Schritte zur Zukunftssicherung unternommen". Bredemeier erinnert an die Fusion der beiden Nachbarvereine TuS Deckbergen und TSV Rot-Weiß Schaumburg zum SC Deckbergen-Schaumburg. 2002 erfolgte ein strategischer Grundsatzbeschluss der Mitgliederversammlung, die Sportstätten am Standort Deckbergen in der Nähe von Schule und Sporthalle zu zentralisieren. 2007 wurde die Bildung der Fußball-Jugendspielgemeinschaft "SG Blau-Rot-Weiß" gemeinsam mit den Nachbarvereinen SV Engern und TSV Steinbergen erfolgreich auf den Weg gebracht. Seit 2008 gibt es eine Kooperation mit der Grundschule Deckbergen-Steinbergen. "Damit haben wir im Gegensatz zu manch anderem Verein frühzeitig unsere Hausaufgaben gemacht. Bei den weiteren Schritten zur Zukunftssicherung unseres Vereins sind wir jetzt auf die Unterstützung der Kommunalpolitiker angewiesen", macht der Vorsitzende vor 80 anwesenden Vereinsmitgliedern deutlich. "Heute jedenfalls stehen wir nach zahllosen ehrenamtlich geleisteten Stunden exakt da, wo wir schon 1999/2000 gestanden haben: vor einem Haufen von Problemen. Was also haben wir falsch gemacht", fragt der Vorsitzende provokativ die Versammlungsteilnehmer und gibt gleich selbst die Erklärung. "Wir konnten uns auf dem richtigen Weg wähnen, als die Stadt das Grundstück für den zweiten Platz gekauft hatte. Konnten wir nicht vielmehr davon ausgehen, dass die Entscheidungsträger der Stadt, nachdem diese "A" gesagt haben nun auch "B" sagen. Und konnten wir uns erst recht nicht auf der sicheren Seite fühlen, als der Verwaltungsausschuss am 6. Oktober 2010 den Beschluss fasste, dass der SC für den Neubau eines Rasensportplatzes einen Zuschuss erhält und entsprechende Haushaltsmittel für 2011 bereitstellt"?. Der Vorsitzende Bredemeier sieht nicht nur das Ehrenamt "mit Füßen getreten", die Rintelner Kommunalpolitiker hätten sich nicht mit Ruhm bekleckert. "Dennoch wollen wir an zugesagte Entscheidungen weiter glauben, denn die Hoffnung stirbt zu allerletzt". Foto: tt
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Sportler sehen das Ehrenamt mit Füßen getreten Nach Streichung der finanziellen Mittel neuer Sportplatz in weiter Ferne / Vorstand stellt Politik ein "Armutszeugnis" aus
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